Posted in: Atmosphäre, Klima 23. April 2009 20:00 Weiter lesen →

Feuchtgebiete beschleunigten Ende der Eiszeit

Foto zeigt drei Männer, zwei mit Kettensägen, in einer rechteckigen Grube im Eis stehend Indem die Weiten Nordsibiriens und Kanadas auftauen, könnte der globale Klimawandel zusätzlich an Schwung gewinnen. Diese Ansicht stützen Untersuchungen einer internationalen Forschergruppe auf Grönland. Ein jäher Temperaturanstieg gegen Ende der letzten Eiszeit scheint demnach durch Methan aus Feuchtgebieten verstärkt worden zu sein.

Foto: Courtesy of Vasilii Petrenko

Nur ein kleiner Teil des damals in großen Mengen freigesetzten Treibhausgases scheine vom Meeresgrund gekommen zu sein, berichten Vasilii Petrenko von der Scripps Institution of Oceanography und seine Kollegen im Magazin „Science“. Der Kollaps mariner Methanclathrate war als ein treibender Faktor bei der Erwärmung vor rund 11.600 Jahren, am Ende der als Jüngere Dryas bezeichneten Kaltphase, diskutiert worden.

Petrenko und Kollegen suchten die Frage nach der Herkunft des Methans zu klären, indem sie an der Westküste Grönlands tonnenweise Eis vom Ende der Jüngeren Dryas schmolzen und das daraus entweichende Gas auffingen. Die Analyse des alten Methans ergab, dass sich der Anteil des Isotops Kohlenstoff-14 darin im Laufe der Zeit kaum änderte. In sehr alten Clathraten am Meeresgrund ist das radioaktive Isotop längst zerfallen. Wäre schlagartig Methan aus solchen Vorkommen in die Atmosphäre gelangt, hätte der Anteil von Kohlenstoff-14 deutlich fallen sollen.

Foto zeigt leicht bläuliches Eis, das auf dunklen Felsen aufläuft wie das Meer am Strand Foto: Courtesy of Vasilii Petrenko

„Das zusätzliche Methan muss also aus Feuchtgebieten gekommen sein, deren Fläche oder Produktivität infolge der Klimaerwärmung zunahm“, erläutert Petrenkos Kollege Edward Brook von der Oregon State University. Der Auslöser für die rapide Erwärmung am Ende der Jüngeren Dryas sei allerdings weiterhin unklar.

Des ungeachtet seien die neuen Resultate auch im Hinblick auf den gegenwärtigen Klimawandel relevant, schreiben Euan Nisbet von der University of London und Jérome Chappellaz von der Unversité de Grenoble in einem begleitenden Kommentar. „In den nächsten Jahrzehnten könnten eine reduzierte Eisbedeckung im Sommer, ein zeitigerer Frühlingsbeginn und ein späteres Zufrieren radikale Veränderungen in den Feuchtgebieten und Permafrostgebieten der Arktis bewirken.“

Forschung: Vasilii V. Petrenko und Jeffrey P. Severinghaus, Scripps Institution of Oceanography, University of California San Diego, La Jolla; Andrew M. Smith, Australian Nuclear Science and Technology Organisation, Menai, New South Wales; Edward J. Brook, Department of Geosciences, Oregon State University, Corvallis; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 324, pp 506-8, DOI 10.1126/science.1168909

WWW:
Severinghaus Lab, Scripps Institution of Oceanography
Abrupt Climate Change: The Younger Dryas
Gashydrate und Methankreislauf

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Permafrost in Aufruhr
Mehr Kohlenstoff in arktischen Böden
Mehr Methan aus der Tiefsee


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