Flüsse reagieren auf Klimawandel
Mittwoch, 22. April 2009, 1:00 • Rubrik Klima, Landwirtschaft.
Die Wasserführung vieler Ströme hat sich seit Mitte des letzten Jahrhunderts verändert. Das zeigt die Analyse einer umfangreichen Datensammlung durch amerikanische Forscher. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten der Tropen und Subtropen ist die gen Meer fließende Wassermenge deutlich zurückgegangen.
Auch die Wasserführung des Colorado hat seit 1948 deutlich abgenommen. Foto: US Geological Survey
“Ein reduzierter Abfluss erhöht den Druck auf die Süßwasserressourcen in vielen Teilen der Welt. Das gilt umso mehr, als der Wasserbedarf mit der Bevölkerung wächst”, erklärt Aiguo Dai vom National Center for Atmospheric Research in Boulder. “Süßwasser ist eine lebenswichtige Ressource, daher gibt der Abwärtstrend allen Anlass zur Sorge.”
Dai und seine Kollegen trugen Daten über die monatliche Wasserführung der 925 größten Flüsse der Welt im Zeitraum 1948 bis 2004 zusammen. Lücken im Datenmaterial glichen sie mit Hilfe von Niederschlagsdaten und Computermodellen aus. Wie die Forscher im “Journal of Climate” berichten, zeigte von den 200 Strömen mit der höchsten Wasserführung etwa ein Drittel im Laufe der Zeit klare Veränderungen: In 45 Fällen sank die Wasserführung, in 19 Fällen stieg sie.
Vor allem Flüsse in niederen Breiten – etwa Gelber Fluss, Ganges, Niger und Colorado – führen demnach weniger Wasser. Als Resultat ist der jährliche Süßwassereintrag in den Pazifik seit 1948 um 6 Prozent (526 Kubikkilometer) gesunken, der in den Indischen Ozean um 3 Prozent (140 Kubikkilometer). Flüsse in nördlichen Breiten führen dagegen tendenziell mehr Wasser, sodass heute rund 10 Prozent (460 Kubikkilometer) mehr Süßwasser in das Nordpolarmeer fließen als vor 60 Jahren.
Die beobachteten Veränderungen ständen im Einklang mit den Erwartungen aufgrund des Klimawandels, erläutert Dais Kollege Kevin Trenberth. “Und da der Klimawandel sich in den kommenden Jahrzehnten unausweichlich fortsetzen wird, werden Flüsse und Wasserressourcen, auf die sich die Menschheit verlässt, wahrscheinlich noch stärkere Veränderungen erfahren.”
Forschung: Aiguo Dai, Taotao Qian und Kevin E. Trenberth, National Center for Atmospheric Research, Boulder, Colorado; John D. Milliman, School of Marine Science, College of William and Mary, Gloucester Point, Virginia
Veröffentlichung Journal of Climate, DOI 10.1175/2008JCLI2592.1
WWW:
Climate Analysis Section, National Center for Atmospheric Research
- Global River Flow and Continental Discharge Data
Virginia Institute of Marine Science
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