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Inzucht macht Inselwölfen zu schaffen

Montag, 6. April 2009, 13:45 • Rubrik Tierwelt.

Foto zeigt drei Wölfe mit dunklem Rücken- und hellerem Bauchfell in verschneiter Landschaft Mehr als 60 Jahre Isolation sind an einem klassischen Modell der Ökologie nicht spurlos vorübergegangen. Schwedische und amerikanische Forscher haben ermittelt, dass die Wölfe auf der nordamerikanischen Isle Royale zunehmend von angeborenen Skelettdefekten geplagt werden – wahrscheinlich eine Folge jahrzehntelanger Inzucht.

Foto: Michigan Technological University

Inzwischen dürfte mehr als ein Drittel der Inselwölfe eine Fehlbildung der Wirbelsäule aufweisen, die auch bei manchen Hunderassen gehäuft auftritt, schätzen Jannike Räikkonen vom Schwedischen Naturkundemuseum in Stockholm und ihre Kollegen. In Wolfspopulationen auf dem Festland liege der Anteil dagegen bei nur einem Prozent, schreibt die Gruppe im Fachblatt “Biological Conservation”.

Seit Ende der 40er-Jahre leben Wölfe auf der Isle Royale. Damals waren in einem besonders kalten Winter ein Weibchen und ein oder zwei Männchen über den zugefrorenen Oberen See auf das Eiland gelangt. Seitdem schwankt die Populationsgröße zwischen 12 und 50 Tieren, für Nachwuchs sorgen im langjährigen Mittel allerdings nur 3,8 Tiere.

“Bislang wussten wir nicht, ob diese Inzucht für die Wölfe ein Problem darstellt”, erläutert Räikkonens Kollege John Vucetich von der Michigan Technological University. Mitunter sei am Beispiel der Inselwölfe sogar argumentiert worden, bei der Wiederansiedlung von Arten sei die genetische Vielfalt von zweitrangiger Bedeutung. Diese Ansicht müsse nun wohl revidiert werden.

Foto zeigt normalen und fehlgebildeten, asymmetrischen Wirbel mit fehlenden Fortsätzen Foto: Michigan Technological University

Im letzten Winter hatten die Forscher auf der Insel zwei Wolfsskelette mit deformierten Wirbeln gefunden und daraufhin 36 Skelette aus den Jahren 1964 bis 2007 genauer unter die Lupe genommen. Zu ihrer Verblüffung fanden sie in 21 Fällen angeborene Fehlbildungen der Wirbelsäule. Neben überzähligen Wirbeln waren dies insbesondere Wirbel, die Merkmale sowohl von Lenden- als auch von Kreuzbeinwirbeln aufweisen. Solche lumbosakralen Übergangswirbel können bei Hunden Lähmungen und weitere Ausfallerscheinungen nach sich ziehen.

Vor allem Wolfsskelette jüngeren Datums zeigen diese Fehlbildung, berichten die Forscher. Möglicherweise liege hier eine Ursache dafür, dass die Elchpopulation auf der Insel seit den 80er-Jahren vornehmlich vom Winterwetter und nicht mehr von den Wölfen kontrolliert werde. Die Frage, ob man durch “Einfuhr” neuer Wölfe der Inzucht entgegenwirken oder aber der Natur ihren Lauf lassen solle, müsse nun in allen Bevölkerungsgruppen diskutiert werden, so Vucetich. “Das ist keine Entscheidung mehr, die allein von Wissenschaftlern getroffen werden kann.”

Forschung: Jannikke Räikkönen, Naturhistoriska riksmuseet, Stockholm; John A. Vucetich und Rolf O. Peterson, School of Forest Resources and Envirnomental Science, Michigan Technological University, Houghton; Michael P. Nelson, Department of Fisheries and Wildlife, Michigan State University, East Lansing

Veröffentlichung Biological Conservation, DOI 10.1016/j.biocon.2009.01.014

WWW:
Naturhistorisk riksmuseet, Stockholm
John Vucetich, Michigan Technological University
- The Wolves and Moose of Isle Royale
Cauda-equina-Syndrom der Hunde

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