Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 30. März 2009 16:00 Weiter lesen →

Ameisen gegen giftige Kröten

Foto zeigt grau-braun gesprenkelte Kröte mit gelblichen Augen Was Krokodile, Schlangen und Vögel nicht schaffen, können vielleicht räuberische Insekten bewerkstelligen: Australische Biologen haben entdeckt, dass eine heimische Ameise die Brut der giftigen Agakröte sehr effizient dezimieren kann. Einheimische Amphibien gehen der Ameise dagegen aus dem Weg.

Foto: Bidgee via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Die Ameise könnte somit das ideale Mittel zur Kontrolle der Kröte sein, hofft Rick Shine von der University of Sydney. „Einen solchen Räuber aus Übersee zu importieren, könnte katastrophale Folgen haben – wie jene, mit denen wir ja seit der Einführung der Agakröte zu kämpfen haben.“ Da die Ameise jedoch in Australien angestammt und weit verbreitet sei, habe sich die heimische Fauna gut an sie anpassen können.

Ganz im Gegensatz zu der aus Südamerika stammenden Agakröte (Bufo marinus). Die gefräßige Art war Mitte der 30er-Jahre nach Australien importiert worden, um einen Schädling in Zuckerrohrplantagen einzudämmen. Seitdem breitet sie sich über den fünften Kontinent aus. Ihr Gift tötet viele potenzielle Fressfeinde, anderen verdirbt es zumindest dauerhaft den Appetit. Der australischen „Fleischameise“ Iridomyrmex reburrus steht sie allerdings hilflos gegenüber, fanden Shine und seine Studentin Georgia Ward-Fear.

Der Grund dafür liegt im Verhalten des Krötennachwuchses. Haben die kaum fingernagelgroßen Jungkröten das Wasser verlassen, sind sie hauptsächlich tagsüber und auf offenen Flächen aktiv – ebenso wie die räuberische Ameise. Und werden sie von dieser angegriffen, fliehen die Jungkröten nur langsam oder gar nicht. Daher können die räuberischen Insekten binnen kurzer Zeit 90 Prozent der Krötenbrut töten und fressen, berichten die Forscher im Fachblatt „Functional Ecology“. Der Nachwuchs sieben heimischer Froscharten ist dagegen nachtaktiv, sucht die Deckung der Ufervegetation und ergreift schon beim Anblick einer Ameise die Flucht.

Offenbar sei die Agakröte in ihrer Heimat mit keinem derartigen Feind konfrontiert worden, erläutert Shine. „Jene Eigenheiten, die ihr auf dem amerikanischen Kontinent überleben halfen, sind nun ein Nachteil, weil die Kröten in Australien vor anderen Herausforderungen stehen.“ Nach Ansicht des Biologen und seiner Kollegen lässt sich diese Schwäche gezielt ausnutzen. Beispielsweise könnte man die Fleischameise mit Ködern an Gewässer mit Krötenlaich locken oder sie durch Anpflanzen der passenden Bäume ermuntern, dort ihre Nester anzulegen.

Forschung: Georgia Ward-Fear, Gregory P. Brown, Matthew J. Greenlees und Rich Shine, School of Biological Sciences, University of Sydney

Veröffentlichung Functional Ecology, 31. März 2009, DOI 10.1111/j.1365-2435.2009.01556.x

WWW:
Shine Lab, University of Sydney
Cane Toads in Oz
Iridomyrmex

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