Posted in: Fischerei, Klima 13. Februar 2009 08:29 Weiter lesen →

Meeresbewohner folgen dem Klima

Foto zeigt zwei Männer in Ölzeug, die in Fangfisch watenAuch die Fischereiwirtschaft wird sich auf Veränderungen infolge des Klimawandels einstellen müssen. Diesen Schluss legen Modellrechnungen einer internationalen Forschergruppe nahe. Von den mehr als 1.000 betrachteten Fisch- und Krebsarten wird demnach ein großer Teil sein Verbreitungsgebiet verlagern.

Foto: Bob Williams, NOAA

„Unsere Arbeit belegt, dass der Klimawandel einen immensen Einfluss auf die Artenvielfalt in den Meeren haben wird“, erklärt William Cheung von der University of British Columbia. Von Fischereipolitik und Naturschutz werde dieser Effekt bislang jedoch nicht berücksichtigt, so der Forscher.

Cheung, mittlerweile an die University of East Anglia gewechselt, und seine Kollegen entwickelten ein Computermodell, das anhand von chemisch-physikalischen Faktoren die Verbreitungsgebiete einzelner Spezies vorhersagt. Unter Berücksichtigung der derzeit prognostizierten Klimaentwicklung, wandten die Forscher dieses Modell auf 1.066 Spezies wie Kabeljau, Hering und Hummer an.

Die Modellrechnungen ergaben, dass sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Fischarten bis zum Jahr 2050 um durchschnittlich 40 Kilometer pro Jahrzehnt zu den Polen verlagern werden. Dieser Effekt würde beispielsweise Norwegen mit seiner modernen Fangflotte einen größeren Fischreichtum bescheren, kleine Fischer in tropischen Entwicklungsländern dagegen umso härter treffen.

In der Nordsee könnten laut dem Modell die Bestände der Scholle um ein Zehntel wachsen, die des Kabeljau dagegen um ein Fünftel schrumpfen. Einige Kabeljaubestände vor der amerikanischen Ostküste könnten bis 2050 um die Hälfte schrumpfen, bereits in polnahen Gebieten lebende Arten wie die St.-Paul-Languste sogar gänzlich verschwinden.

Im Gegensatz zu den Folgen für die Fischereiwirtschaft seien die Konsequenzen für die lokalen Ökosysteme noch nicht abzuschätzen, so Cheung und Kollegen. Die neuen Resultate zeigten jedoch, dass Politik und Naturschutz künftig flexibler denken müssen. Beispielsweise müssten Meeresschutzgebiete so geplant und ausgewiesen werden, dass sie im Zweifelsfall mit den Arten wandern könnten.

Forschung: William W. L. Cheung und Daniel Pauly, School of Environmental Sciences, University of East Anglia, Norwich, und Fisheries Centre, University of British Columbia, Vancouver; und andere

Veröffentlichung Fish and Fisheries; Präsentation auf dem Annual Meeting of the American Association for the Advancement of Science, Chicago, #090-045

WWW:
William Cheung, University of East Anglia
Fisheries Centre, University of British Columbia
Sea Around Us Project
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