Posted in: Abfall und Schadstoffe 4. Februar 2009 13:42 Weiter lesen →

Eisernes Taxi für Blei

EM-Aufnahme zeigt einige Nanometer große Eisenoxidpartikel als dunkelgraue Klumpen auf hellgrauem HintergrundNormalerweise wenig mobil, kommt das Schwermetall Blei per Anhalter gut voran. Das haben zwei österreichische und schwedische Forscher ermittelt. Indem es sich an natürliche Eisenpartikel anlagert, kann sich Blei demnach vergleichsweise rasch durch Böden und in Fließgewässer bewegen.

Bild: von der Kammer & Le Coustumer. Größenmaßstab: 20 Nanometer

Vor allem durch die jahrzehntelange Verwendung in Benzin ist Blei in Böden gelangt. Dort lagert es sich bevorzugt an Bestandteile des organischen Humus an und wird dadurch in den obersten Bodenschichten festgesetzt. Winzige Partikel aus Eisenoxid, wie sie ebenfalls in der Umwelt vorkommen, können dem Blei jedoch zu neuer Mobilität verhelfen, fanden Frank von der Kammer von der Universität Wien und Martin Hassellöv von der Universität Göteborg.

Die beiden Forscher isolierten einige Nanometer (Millionstel Millimeter) große Partikel aus Boden- und Wasserproben und untersuchten diese auf ihren Gehalt an verschiedenen Elementen. Es zeigte sich, dass Nanopartikel aus Eisenoxid ebenfalls bereitwillig Blei binden und damit in Konkurrenz zu den Huminstoffen treten können. Im Unterschied zu diesen sind sie in Boden und Sediment allerdings sehr beweglich.

Normalerweise dauert es gut 50 Jahre, bis ein Blei-Puls einen Meter weit durch den Boden gewandert ist. Zumindest ein Teil des anthropogenen Bleivorrats in Boden und Sediment kommt an Bord der eisernen Taxis jedoch deutlich schneller voran. Die Reise endet, sobald ein Fluss ins Meer mündet, fanden von der Kammer und Hassellöv. Wo Süßwasser auf Salzwasser trifft, fallen die Eisenoxidpartikel mitsamt ihrer Fracht aus.

Forschung: Martin Hassellöv, Institutionen för kemi, Göteborgs universitet, und Frank von der Kammer, Department für Umweltgeowissenschaften, Universität Wien

Veröffentlichung Elements, Vol. 4(6), pp 401-6, DOI 10.2113/gselements.4.6.401

WWW:
Umweltgeowissenschaften, Uni Wien
Kemi, Göteborgs universitet
Alles über Boden und Böden
Blei
Bleierner Gruß vom Meeresgrund

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