Schläfer leben leichter
29. Januar 2009 13:17 Drucken
Ungünstige Bedingungen zu verschlafen oder ihnen aus dem Weg zu gehen, ist nicht die schlechteste Überlebensstrategie. Dieses Fazit ziehen norwegische und finnische Forscher nach einer Durchsicht der Roten Liste bedrohter Tierarten. Die Schläfer und Tunnelbauer unter den Säugetieren sind darauf deutlich seltener vertreten als andere Säuger.
Ziesel leben nicht nur in unterirdischen Bauten, sie halten auch Winterschlaf. Foto: Courtesy Phil Myers, Museum of Zoology, University of Michigan, via NHGRI
Offenbar bringen ausgedehnte Ruheperioden und das Leben unter der Erde klare Überlebensvorteile mit sich, folgern die Forscher um Lee Hsiang Liow von der Universität Oslo im Fachblatt “American Naturalist”. Mögliche Gründe seien eine geringere Empfindlichkeit und eine geringere Exposition gegenüber widrigen Umweltbedingungen.
Zu ähnlichen Schlüssen waren Liow und Kollegen kürzlich im Rahmen einer anderen Studie gekommen, bei der sie das Auftauchen und Verschwinden von Säugerarten in der jüngeren Erdgeschichte untersucht hatten. Demnach wiesen größere Spezies einen größeren “Arten-Umsatz” auf – eine Beobachtung, die die Gruppe auf eine geringere Neigung zum Ruhen und Graben zurückgeführt hatte. Andere Forscher hatten diese Schlussfolgerung mit dem Verweis auf die Auswahl der betrachteten Arten und die wechselnden klimatischen Bedingungen angezweifelt.
Um neue Argumente für ihre Hypothese zu sammeln, ging die Gruppe nun eine Liste mit 4.536 lebenden Säugerarten durch und identifizierten jene 443 Spezies, die unterirdisch leben oder regelmäßig ihren Stoffwechsel stark drosseln – beispielsweise Maulwürfe und Erdhörnchen sowie Fledermäuse und Bären. Der Abgleich mit der Roten Liste bedrohter Tierarten ergab, dass Gräber und Schläfer darauf seltener auftauchen als die übrigen Arten.
Das gelte auch unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie etwa der Körpermasse und des Verbreitungsgebietes, betonen Liow und ihre Kollegen. Gleichzeitig liefen Schläfer und Gräber aber auch Gefahr, zu träge auf sich verändernde Umweltbedingungen zu reagieren. “Auch hier stellt sich also die klassische Frage nach Sicherheit oder Erfolg”, formuliert Mikael Fortelius von der Universität Helsinki.
Forschung: Lee Hsiang Liow und Nils Christian Stenseth, Centre for Ecological and Evolutionary Synthesis, Biologisk institutt, Universitetet i Oslo; Mikael Fortelius, Geologian laitos, Helsingin yliopisto; und andere
Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 173(2), pp 264-72, DOI 10.1086/595756
WWW:
Centre for Ecological and Evolutionary Synthesis, Universität Oslo
Department of Geology, Universität Helsinki
IUCN Red List
Hibernation and Torpor
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Beuteltier hält Rekord-Ruhe
Biologische Vielfalt und Klima eng verknüpft





Kommentare
Möchten Sie etwas zum Artikel sagen ?