Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 13. Januar 2009 19:00 Weiter lesen →

Schwämme schließen Stoffkreislauf im Riff

Foto zeigt orangefarbene, röhrenförmige Schwämme auf dunklem, verkrusteten Untergrund Ihre blaue Farbe entlarvt tropische Meere als relativ karge Wüsten. Umso wichtiger ist für die dort lebenden Organismengemeinschaften eine weitgehende Wiederverwertung der Nährstoffe. Im Falle der prächtigen Riffe sind es unauffällige Schwämme, die in diesem Kreislauf eine wichtige Rolle spielen, haben niederländische Forscher entdeckt.

Einige Schwämme ähneln Krusten auf dem Untergrund, andere bilden röhren-, geweih- oder kesselförmige Strukturen. Foto: NOAA-Florida Keys National Marine Sanctuary

Diese Schwämme leben in zahllosen Hohlräumen im Fundament des Riffs, gewissermaßen in seinem Bauch. Jasper de Goeij vom Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung und seine Kollegen fanden, dass die Höhlenbewohner neben Schwebeteilchen auch im Wasser gelöste Verbindungen aufnehmen, wie sie von Korallen und anderen Riffbewohnern stammen. Im Gegenzug stoßen sie laufend abgestorbene Zellen ab, die wiederum den Korallen als Nahrung dienen können.

De Goeij führte Untersuchungen vor der Antilleninsel Curaçao durch und studierte den Stoffwechsel mehrerer Schwammarten im Labor. Es zeigte sich, dass das Wasser in den Riff-Hohlräumen große Mengen gelöster organischer Materie enthält und dass die Schwämme diese potenziellen Nährstoffe zu nutzen wissen. Etwa 40 Prozent der aufgenommenen Verbindungen veratmen sie direkt, den Rest verwenden sie zum Aufbau und zur Instandhaltung ihres Körpers.

Gemessen an ihrer erstaunlich hohen Aufnahmerate, sollten die Schwämme ihre Biomasse alle zwei bis drei Tage verdoppeln können, schätzt de Goeij. Tatsächlich legen die stammesgeschichtlich sehr alten Tiere jedoch kaum an Masse zu. Der Grund dafür: Jene Zellen, mit denen die Schwämme Nahrung aus dem Wasser aufnehmen, scheinen sich derart rasch abzunutzen, dass sie laufend abgestoßen und durch neue ersetzt werden müssen. Unter dem Strich bringen die Schwämme daher gelöste Verbindungen wieder in eine Form, die zur Ernährung der auffälligeren Riff-Bewohner beiträgt.

Forschung: Jasper M. de Goeij und Fleur C. van Duyl, Department of Biological Oceanography, Royal Netherlands Institute for Sea Research, Den Burg, Texel; und andere

Dissertation Rijksuniversiteit Groningen; Veröffentlichung Marine Ecology Progress Series, Vol. 357, pp 139-51, DOI 10.3354/meps07403

WWW:
Royal Netherlands Institute for Sea Research
Introduction to Porifera
Water Flow and Feeding in Porifera
Riffe.de

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