Posted in: Klima, Meeresforschung 13. November 2008 14:47 Weiter lesen →

Mehr Grün im Nordpolarmeer

Grafik zeigt Nordpolarmeer mit angrenzenden Kontinenten, in der Mittel als schmale weiße Fläche MeereisDie biologische Maschinerie im Nordpolarmeer ist in den letzten Jahren immer stärker in Schwung gekommen, haben amerikanische Forscher ermittelt. Indem das Meerwasser sich erwärmt und die Eisdecke löchrig wird, steigt demnach auch die Menge an Biomasse, die von Planktonalgen jährlich neu gebildet wird.

Am 16. September 2007 waren rund 4,13 Millionen Quadratkilometer des Nordpolarmeeres von Eis bedeckt – fast 40 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Grafik: NASA Goddard Space Flight Center

Diese Primärproduktion belief sich im Zeitraum 1998-2006 auf durchschnittlich 416 Millionen Tonnen organischen Kohlenstoffs pro Jahr, schätzen Kevin Arrigo von der Stanford University und seine Kollegen. Sollten sich die derzeitigen Trends fortsetzen, könne sich der Wert durchaus mehr als dreifachen, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“. Mögliche Folge sei eine tiefgreifende Umstrukturierung des Nahrungsnetzes und damit der Stoff- und Energieflüsse im Nordpolarmeer.

Seit 1950 ist die mittlere Lufttemperatur in der Arktis um etwa 3 Grad Celsius gestiegen, bis Ende des 21. Jahrhunderts könnte sie um weitere 4 bis 5 Grad ansteigen. Gleichzeitig ist das Meereis dünner geworden und bedeckt eine geringere Fläche, während die einmündenden Flüsse mehr Wasser mit sich führen und damit mehr Nährstoffe in das Meer spülen.

Um mehr über die Auswirkungen auf die biologische Produktivität zu erfahren, trugen die Forscher Satellitendaten über die Eisbedeckung, die Wassertemperatur und den Chlorophyllgehalts des Wassers zusammen. Diese speisten sie in ein Modell des Planktonwachstums ein, das zuvor anhand von Messungen vor Ort kalibriert worden war. Gut ein Drittel der zusätzlichen Produktivität sei auf den Rückgang der Eisbedeckung zurückzuführen, schreiben Arrigo und Kollegen. Der übrige Teil sei durch die längere Wachstumssaison zu erklären.

Forschung: Kevin R. Arrigo, Gert van Dijken und Sudeshna Pabi, Department of Environmental Earth System Science, Stanford University, Stanford, Kalifornien

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 35, L19603, DOI 10.1029/2008GL035028

WWW:
Ocean Biogeochemistry Lab, Stanford University
Klimawandel und Meereis
Arctic Sea Ice Thinning at Record Rate
Die Zukunft der Arktis
Intergovernmental Panel on Climate Change

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