Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 21. Oktober 2008 19:14 Weiter lesen →

Wild könnte Vielfalt fördern

Foto zeigt einen großen, braunen Schwanzlurch mit winzigen Augen, gehalten von zwei Händen Hirsche scheinen einen erstaunlichen förderlichen Effekt auf die Fauna des Waldes zu haben. Diesen Schluss legt ein Experiment amerikanischer Biologinnen nahe. Dabei sank die Zahl und die Vielfalt von Schlangen, Lurchen und vielen Wirbellosen, sobald das Wild von einzelnen Waldflächen ferngehalten wurde.

Auf den nicht eingezäunten Flächen ebenfalls häufiger zu finden: Der Schlammteufel („Hellbender“), einziger Vertreter der Gattung des Amerikanischen Riesensalamanders. Foto: Ohio State University

Dieses Resultat laufe sämtlichen Erwartungen zuwider, erklärt Katherine Greenwald von der Ohio State University. Gemeinhin gehe man nämlich davon aus, dass das Wild die Bedingungen für die Bodenfauna eher verschlechtere, indem es die schatten- und schutzspendende Vegetation fresse. Sollte tatsächlich der förderliche Effekt überwiegen, müsse das bei der Gestaltung der Jagdpläne berücksichtigt werden.

Greenwald und Kolleginnen führten ihr Experiment im Cuyahoga-Nationalpark im Nordosten Ohios durch. In dem Waldgebiet leben auf einer Fläche von rund 130 Quadratkilometern schätzungsweise bis zu 4.600 Weißwedelhirsche. Die Forscherinnen wählten 12 Paare sehr ähnlicher, je 10 mal 10 Meter großer Versuchsflächen aus, von denen sie jeweils eine einzäunten. Zudem platzierten sie auf allen Flächen große Holzbretter und kontrollierten regelmäßig das Treiben darunter.

Verblüffenderweise scheinen viele Tiere die vom Wild frequentierten Flächen zu bevorzugen, berichten die Forscherinnen im „Journal of Wildlife Management“. Unter den Brettern auf nicht eingezäunten Flächen waren einzelne Salamander- und Schlangenarten bis zu 5 Mal häufiger anzutreffen als auf eingezäunten, bei Schnecken und Gliederfüßern betrug der Unterschied 11 bzw. 14 Prozent. Lediglich Tausend- und Hundertfüßern, Käfern und Landasseln schien es egal zu sein, ob sie in Gemeinschaft mit dem Wild lebten oder nicht.

Eine mögliche Erklärung für den Unterschied liegt in der Losung des Wildes. Mit dem Kot angereicherter Waldboden könnte mehr Pflanzen und Insekten als Nahrung für kleinere Tiere beherbergen, so Greenwald. Diese könnten wiederum etwas größere Räuber wie Salamander, Schlangen und Spinnen anlocken. Nicht gänzlich ausschließen kann die Forscherin allerdings, dass ihre Resultate letztlich die negative Rolle des Wildes unterstreichen: Vielleicht hatten es die Tiere auf den eingezäunten Flächen mit ihrer dichteren Flora gar nicht nötig, unter den Brettern Schutz zu suchen.

Forschung: Katherine R. Greenwald und Thomas A. Waite, Department of Evolution, Ecology, and Organismal Biology, Ohio State University, Columbus; Lisa J. Petit, Cuyahoga Valley National Park, Brecksville, Ohio

Veröffentlichung Journal of Wildlife Management, Vol. 72(6), pp 1318-21, DOI 10.2193/2007-491

WWW:
Evolution, Ecology, and Organismal Biology, Ohio State University
Cuyahoga Valley National Park
Waldwissen

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