Posted in: Gesundheit, Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 8. Oktober 2008 03:00 Weiter lesen →

Vogelvielfalt schützt vor Viren

Vögel sitzen auf Stromleitungen Eine vielfältige Vogelfauna erfreut nicht nur Augen und Ohren von Naturliebhabern. Amerikanische Biologen haben ermittelt, dass eine hohe und ausgewogene Vogelvielfalt auch das Risiko senkt, sich mit dem West-Nil-Virus anzustecken. Der Grund dafür ist verblüffend einfach: Je mehr unterschiedliche Vögel es in einem Gebiet gibt, desto seltener saugen infizierte Mücken an einem für das Virus idealen Wirt.

Foto: Peter Booth /iStockphoto

„Die meisten Vögel stellen schlechte Reservoire für das West-Nil-Virus dar, sodass jeder Stich an ihnen nutzlos ist, zumindest aus der Sicht des Virus“, erläutert Brian Allen von der Washington University in St. Louis. Und mit der Zahl infizierter Vögel sinke wiederum das Risiko, dass sich eine Mücke beim Blutsaugen mit dem Virus infiziere und es dann auf einen Menschen übertrage. „In dieser Situation profitiert also der Naturschutz ebenso wie die öffentliche Gesundheit“, so der Forscher.

Allen, sein Doktorvater Jonathan Chase und eine Reihe von Kollegen begannen ihre Untersuchungen zu jener Zeit, als sich das West-Nil-Virus, aus der Alten Welt stammend und erst im Jahr 1999 nach New York gelangt, in rasendem Tempo über Nordamerika ausbreitete. Die Infektion ist in den meisten Fällen harmlos oder wird gar nicht erst bemerkt. Mitunter kann das West-Nil-Fieber jedoch zu folgenschweren Gehirn- und Hirnhautentzündungen führen.

Die Forscher studierten die Vogelfauna in einem Untersuchungsgebiet nahe ihrer Universität und untersuchten die dort vorkommenden Mücken auf das Virus. Zusätzlich analysierten sie Daten für den Großraum St. Louis sowie für die gesamten Vereinigten Staaten. Aus allen drei Perspektiven ergab sich das gleiche Bild: Wo besonders viele Vogelarten vorkommen, tragen nur wenige Mücken den Erreger in sich und treten auch nur wenige Erkrankungsfälle auf. Ein ähnlicher „Verdünnungseffekt“ war bereits im Falle der Lyme-Borreliose beobachtet worden, einer von blutsaugenden Zecken übertragenen, bakteriellen Erkrankung.

Allerdings komme es nicht allein auf die Zahl unterschiedlicher Vogelarten an, betont Allen. „Was zählt, ist eine Kombination von Artenreichtum und Ausgeglichenheit.“ Wenn in einem Gebiet grundsätzlich viele Vogelarten vorkämen, die meisten Vögel jedoch einer einzigen Art angehörten, wirke sich die Vielfalt kaum auf die Chancen des Virus aus.

Forschung: Brian Allan und Jonathan M. Chase, Department of Biology, Washington University at St. Louis, Missouri; und andere

Zur Veröffentlichung eingereicht bei Oecologia

WWW:
Chase Lab
West-Nil-Fieber
West Nile Virus

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