Stadtbären sterben schneller
2. Oktober 2008 13:05 Drucken
Auch Schwarzbären haben mit typischen Zivilisationsproblemen zu kämpfen, belegen Langzeitbeobachtungen zweier amerikanischer Biologen. Demnach reifen gut genährte Tiere in Stadtnähe zwar schneller heran als Artgenossen in vergleichsweise unberührten Gebieten. Allerdings sterben sie auch deutlich früher, meist infolge von Verkehrsunfällen.
Gut verschließbare Müllcontainer können dazu beitragen, die Anziehungskraft der Stadt zu verringern. Foto: Jon Beckmann/Wildlife Conservation Society
“Das städtische Umfeld entwickelt sich zur ultimativen Bärenfalle”, warnt Jon Beckmann von der Wildlife Conservation Society. “Das reichhaltige Nahrungsangebot – hauptsächlich in Form von Abfällen – lockt Bären aus dem Umland in die urbane Landschaft, wo sie dann den Tod finden.”
Zehn Jahre lang verfolgten Beckmann und sein Kollege Carl Lackey den Werdegang von 22 weiblichen Schwarzbären (Ursus americanus), die im Westen des US-Bundesstaats Nevada lebten und individuell markiert worden waren. Von diesen Tieren hielten sich 12 meist im Gebiet einer Stadt auf, während die übrigen 10 praktisch nie in die Nähe einer größeren Ansiedlung kamen.
Die “Stadtbärinnen” brachten im Schnitt 30 Prozent mehr Gewicht auf die Waage, berichten die beiden Forscher im Fachblatt “Human-Wildlife Conflicts”. Zudem bekamen sie schon im Alter von 4-5 Jahren erstmals Nachwuchs und damit 2-3 Jahre früher als ihre wilden Verwandten. Allerdings wurde keines der Tiere im städtischen Umfeld älter als 10 Jahre, während mehr als die Hälfte der “wilden” Bärinnen in diesem Alter noch lebte. Nicht zuletzt wiesen auch die Bärenjungen im Stadtumfeld eine drastisch erhöhte Todesrate auf, ermittelten die Forscher.
Eigentlich könnte man annehmen, dass sich Schwarzbären ob des Nahrungsangebots der Stadt stark vermehren und so letztlich auch die umliegenden Gebiete wiederbesiedeln könnten, schreiben Beckmann und Lackey. Die neuen Resultate zeigten jedoch, dass das Gegenteil der Fall sei und die Stadt letztlich sogar eine Bedrohung für den verbliebenen Bestand der Art darstelle. Umso wichtiger seien Gegenmaßnahmen wie bärensichere Müllbehälter oder das Entfernen von Komposthaufen.
Forschung: Jon P. Beckmann, Wildlife Conservation Society, Bozeman, Montana, und Carl W. Lackey, Nevada Department of Wildlife, Reno
Veröffentlichung Human-Wildlife Conflicts, Vol. 2(2), pp 168-74
WWW:
Wildlife Conservation Society
Nevada Department of Wildlife
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