Posted in: Abfall und Schadstoffe, Tierwelt 30. September 2008 19:09 Weiter lesen →

Pestizid schadet langsamen Fröschen

Foto eines Leopardfroschs mit den typischen, dunklen Leopardenflecken an den Beinen, im Hintergrund Gras In der Umwelt können Pestizide eine ungeahnte Wirkung entfalten, belegen Experimente eines amerikanischen Forscherduos. Dabei beraubte ein Insektenvernichtungsmittel Kaulquappen auf indirekte Weise ihrer Nahrung und verhinderte so die rechtzeitige Verwandlung zum Frosch. Der Effekt stellte sich selbst bei Konzentrationen ein, die weit unterhalb der kritischen Schwelle liegen.

Ihre langsame Entwicklung macht die Kaulquappen des nordamerikanischen Leopardfroschs besonders anfällig für die Wirkung des Insektizids Malathion. Foto: Liz Domingue/US Dept. of Transportation

„Der indirekte Einfluss auf die Amphibien, wie wir ihn beobachtet haben, hätte sich bei herkömmlichen Tests mit nur einer Spezies nicht gezeigt“, erklärt Rick Relyea von der University of Pittsburgh. „Unsere Resultate zeigen, dass die möglichen Auswirkungen von Pestiziden aus einer sehr viel weiteren Perspektive betrachtet werden müssen.“

Relyea und seine Kollegin Nicole Diecks studierten den Einfluss des Wirkstoffs Malathion auf Leopardfrösche und Waldfrösche (Rana pipiens und Rana sylvatica). Dazu legten sie künstliche Tümpel mit gut 1.200 Litern Fassungsvermögen an, in denen sie einfache Nahrungsnetze samt Kaulquappen, Algen und Plankton etablierten. Wie die beiden Forscher im Fachblatt „Ecological Applications“ berichten, kam es nach Zugabe von Malathion zu einer Kettenreaktion, die den Fortpflanzungserfolg des Leopardfrosch zunichte machte.

Diese Kettenreaktion setzte ein, wenn mehrmals geringe Dosen von Malathion in das Wasser gegeben wurden – ein Expositionsmuster, wie es laut den Forschern für Gewässer und Feuchtgebiete in der Nähe pflanzenbaulicher Betriebe typisch ist. Die wiederholten Wirkstoffpulse dezimierten dauerhaft die tierischen Planktonorganismen, welche wiederum im Wasser schwebende Planktonalgen fressen. Letztere konnten sich daher stark vermehren, sodass weniger Sonnenlicht den Algenrasen am Grund der künstlichen Tümpel erreichte – die Weide der Kaulquappen.

Der resultierende Nahrungsmangel wirkte sich auf die Kaulquappen des Waldfroschs mit ihrer raschen Entwicklung kaum aus, beobachteten Relyea und Diecks. Ganz anders die langsameren Kaulquappen des Leopardfroschs: Lediglich 43 Prozent von ihnen konnten die Reifung zum Frosch vollziehen, da ihnen schließlich die nötigen Ressourcen fehlten.

Forschung: Rick A. Relyea und Nicole Diecks, Department of Biological Sciences, University of Pittsburgh, Piitsburgh, Pennsylvania

Veröffentlichung Ecological Applications, Vol. 18(7), pp 1728-42, DOI 10.1890/08-0454.1

WWW:
Relyea Lab, University of Pittsburgh
Global Amphibian Assessment
Malathion

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