Mehr Lärm in sauren Meeren
Dienstag, 30. September 2008, 15:32 • Rubrik Meeresforschung, Natur- und Umweltschutz.
Der immense Kohlendioxid-Ausstoß der menschlichen Zivilisation wird einen unerwarteten Nebeneffekt auf die Weltmeere haben. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher im Fachblatt “Geophysical Research Letters”. Indem das Kohlendioxid das Meerwasser ansäuert, wird sich Schall darin über deutlich größere Entfernungen ausbreiten können.
Nicht nur die Laute von Walen und anderen Meeresbewohnern, auch der Lärm von technischen Anlagen könnte sich in saureren Meeren leichter ausbreiten. Foto: Erik Christensen (GnuFDL1.2)
Ausgehend von derzeitigen Annahmen über die Versauerung der Ozeane, könnten nieder- und mittelfrequente Schallwellen im Jahr 2050 bis zu 70 Prozent weiter laufen als heute, schätzen Keith Hester und seine Kollegen vom Monterey Bay Aquarium Research Institute. Dadurch könnten sich nicht nur die Kommunikations- und Ortungslaute der Meeresbewohner besser ausbreiten, sondern auch der von Schiffsmaschinen, Sonargeräten, Bohrplattformen und anderen technischen Anlagen ausgehende Lärm.
Der Säuregrad der Weltmeere liegt derzeit bei einem leicht basischen pH-Wert von 8,1. Bis zum Jahr 2050 könnte dieser Wert um 0,3 pH-Einheiten sinken, indem immer mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre in das Meerwasser übergeht und darin zur Kohlensäure und deren Salzen reagiert. Mehrere Untersuchungen lassen vermuten, dass dies die Kalkabscheidung durch Korallen, Weichtiere und andere Organismen beeinträchtigen wird.
Die veränderten physikalisch-chemischen Eigenschaften werden aber auch die Schallabsorption im Meerwasser deutlich verringern, fanden Hester und Kollegen. Besonders stark dürfte sich dieser Effekt bei Schallfrequenzen unterhalb von 3 Kilohertz auswirken – entsprechend den hohen Lagen der menschlichen Stimme.
“Das Wasser in den oberen Etagen der Meere erfährt derzeit eine außergewöhnliche Änderung seines grundlegenden chemischen Zustands, und das in einem Tempo wie seit Millionen von Jahren nicht mehr”, so die Forscher. Schon heute dürfte der Schall im Meerwasser gut 10 Prozent weiter geleitet werden als vor Beginn der Industrialisierung.
Forschung: Keith C. Hester, Edward T. Peltzer, William J. Kirkwood und Peter G. Brewer, Monterey Bay Aquarium Research Institute, Moss Landing, Kalifornien
Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1029/2008GL034913
WWW:
Monterey Bay Aquarium Research Institute
- The Science of a High CO2 / Low pH Ocean
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