Hochwasserfeste Auen-Vegetation

24. September 2008 13:15 Drucken

Luftaufnahme zeigt überflutete Wiesenlandschaft mit einigen Bäumen In Flussauen lebende Tiere und Pflanzen kommen mit einer Überflutung ihres Lebensraums auf unterschiedliche Weise zurecht. Das zeigen Untersuchungen, die Leipziger Biologen vor und nach dem Elbe-Hochwasser im Sommer 2002 durchgeführt haben. Während sich Pflanzen und Schnecken kaum beeindruckt zeigten, brach die Zahl der Käferarten förmlich ein, um sich rasch wieder zu erholen.

Foto: André Künzelmann/UFZ

Überflutungen und Niedrigwasser gelten als prägende Umweltfaktoren für Auen. Wie sich extreme Hochwasser in diesen Lebensräumen konkret auswirkten, sie bislang jedoch kaum untersucht worden, erläutern Christiane Ilg vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und ihre Kollegen im Fachblatt “Ecology”. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass solche Ereignisse im Zuge des Klimawandels künftig häufiger aufträten.

Ilg und Kollegen verglichen Daten über Pflanzen, Laufkäfer (Carabiden) und Schnecken, die sie über mehrere Jahre in einem großen, saisonal überfluteten Wiesengebiet bei Dessau gesammelt hatten. Im Sommer 2002 wurden die Untersuchungsflächen von einer “außerplanmäßigen” Flut heimgesucht, während derer sie mindestens 2 Wochen lang bis zu 5,4 Meter tief unter Wasser standen.

Es zeigte sich, dass die Zahl der Pflanzenarten von 113 vor der Flut auf 107 nach der Flut sank – ein statistisch unbedeutsamer Rückgang. Auch bei den Landschnecken blieben Artenzahl und Individuendichte in etwa konstant, während die Artenzahl der Wasserschnecken nach der Flut sogar höher lag. Ganz anders dagegen die Laufkäufer: Ihre Artenzahl sank von 117 auf zunächst 88, stieg in den Folgejahren jedoch rasch wieder an.

Die Ergebnisse sprächen gegen die Annahme, Gruppen mit geringer Mobilität würden generell stärker von der Flut beeinflusst, weil sie schlechter ausweichen und nur langsam zurückkehren könnten, so Ilg. Offenbar seien die Laufkäfer der Auen eher auf die typischen Frühjahrs- und Herbsthochwasser eingestellt, sodass ihnen das außerplanmäßige Sommerhochwasser, zumindest vorübergehend, besonders zugesetzt habe.

Forschung: Christiane Ilg und Klaus Henle, Department Naturschutzforschung, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig; Frank Dziock, Institut für Ökologie, Technische Universität Berlin; Francis Foeckler, Ökon GmbH, Kallmünz; und andere

Veröffentlichung Ecology, Vol. 89(9), pp 2392-8, DOI 10.1890/08-0528.1

WWW:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
- Auenhabitate nach Extremhochwasserereignissen am Beispiel der Mittleren Elbe
Biosphärenreservat Mittlere Elbe
Auen

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Grille hat Ebbe und Flut im Blut


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