Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 22. September 2008 18:00 Weiter lesen →

Infizierte Brut

Foto zeigt kleine, zierlich gebaute Kröte mit dunkel gesprenkelter Haut auf Fels Ausgerechnet die Maßnahmen zu ihrer Rettung hätten einer seltenen Kröte auf Mallorca zum Verhängnis werden können. Eine internationale Forschergruppe hat entdeckt, dass in eine Nachzuchtstation ein gefährlicher Pilz eingeschleppt und mit den dort herangewachsenen Tieren in die Umwelt der Insel entlassen wurde.

Die Balearenkröte scheint den Kontakt mit dem Chytridpilz besser zu verkraften als andere Amphibienarten. Foto: tuurio and wallie (Creative Commons SA3.0)

Als Resultat ist der Chytridpilz derzeit in 4 von 21 untersuchten Freilandpopulationen der Balearenkröte (Alytes muletensis) vorhanden, berichten die Forscher um Matthew Fisher vom Imperial College London im Fachblatt „Current Biology“. Zumindest in 3 dieser Populationen schienen sich die Tiere allerdings guter Gesundheit zu erfreuen, so der Epidemiologe. „Wir gehen davon aus, dass die Kröten die Infektion überleben werden.“

Andernorts hat der erst im Jahr 1997 entdeckte Pilz dagegen ganze Bestände bzw. Arten dezimiert, sodass er als ein bedeutender Faktor bei dem weltweit beobachteten Amphibiensterben gilt. Umso wichtiger seien die strengen Quarantäne- und Hygieneregeln, wie sie mittlerweile für Nachzuchtprogramme gälten, so Fisher.

Die Balearenkröte oder Mallorquinische Geburtshelferkröte war bis 1978 nur durch Fossilien bekannt. Dann wurden im Norden Mallorcas erstmals lebende Exemplare entdeckt. Das daraufhin begonnene Nachzuchtprogramm gilt als großer Erfolg.

Fisher und Kollegen nahmen ihre Fahndung auf, nachdem im Jahr 2004 der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) bei einer toten Balearenkröte im Freiland nachgewiesen wurde. Unter anderem untersuchten die Forscher Gewebeproben von Tieren, die Anfang der 90er-Jahre – noch vor der Entdeckung des Pilzes – in der Nachzuchtstation gestorben waren. Tatsächlich ließ sich hier der gleiche Pilz-Genotyp nachweisen wie in den Freilandpopulationen.

Eingeschleppt wurde der Krankheitserreger wahrscheinlich mit südafrikanischen Krallenfröschen, die in der Station in einem Raum mit den Balearenkröten gehalten worden waren. In Gewebeproben dieser Tiere fand sich ebenfalls der später ausgesetzte Pilz-Genotyp. Der auf dem spanischen Festland und in anderen Teilen Europas vorkommende Chytridpilz weist dagegen einen anderen Genotyp auf.

Forschung: Susan F. Walker und Matthew C. Fisher, Department of Infectious Disease Epidemiology, Faculty of Medicine, Imperial College, London; Jaime Bosch, Museo Nacional de Ciencias Naturales, CSIC, Madrid; Richard Griffiths, Durrell Institute of Conservation Ecology, University of Kent, Canterbury; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18(18), R853-R854

WWW:
Infectious Disease Epidemiology, Imperial College
Mallorcan Midwife Toad
Chytrid Fungus
Kaulquappen: Andere Körperform bei Gefahr

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Ausgestorbene“ Kröte wiedergefunden
Ein Drittel aller Amphibien-Arten gefährdet


Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.