Posted in: Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz 19. September 2008 15:40 Weiter lesen →

Trüffel-Invasion aus Asien

Schnitt durch den knollenförmigen Fruchtkörper einer Schwarzen Trüffel, dichte schwarze Masse, von weißen Strängen durchzogen Nicht nur Pflanzen und Tiere haben mit eingeschleppter Konkurrenz zu kämpfen. Das belegt ein Zufallsfund italienischer Forscherinnen. In einem Trüffelhain nahe Turin stießen sie auf einen asiatischen Trüffelpilz, der sich zu einer ernsthaften Bedrohung für die Schwarze Trüffel entwickeln könnte.

Foto: moi-même/wikimedia.org

Diese Chinesische Trüffel habe sich in Laborversuchen als durchsetzungsstärker erwiesen als ihre europäische Verwandte, so Paola Bonfante von der Universität Turin und von der staatlichen Forschungsorganisation CNR. Daher sei es ratsam, sämtliche Anbauflächen in Frankreich, Italien und Spanien einer entsprechenden Kontrolle zu unterziehen, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt „New Phytologist“. Eine Bekämpfung durch Herausreißen der Bäume und Desinfektion des Erdreichs sei allerdings aufwändig und kostspielig.

Von Köchen und Feinschmeckern geschätzt, sind Trüffeln die Fruchtkörper unterirdisch wachsender Pilze, die in enger Gemeinschaft mit Bäumen und Sträuchern leben. Die kostbaren Pilze können gezielt angebaut werden, indem man entsprechend angeimpfte Setzlinge pflanzt. In einem solchen, mit Hainbuchen und Haseln angelegten Trüffelhain, in dem sich selbst zehn Jahre nach der „Aussaat“ nichts ernten ließ, stießen die Forscherinnen auf den eingeschleppten Pilz.

Von dem Eigentümer um Rat gebeten, untersuchten die Biologinnen Baumwurzeln und Bodenproben aus dem Hain. Neben DNA-Sequenzen der heimischen Schwarzen Trüffel (Tuber melanospora) fanden sie in der Hälfte der Proben auch Erbgut der Chinesischen Trüffel (Tuber indicum). Obgleich deren Verkauf in Italien seit Mitte der 80er-Jahren verboten ist, scheint sie doch zum Animpfen der Baumsetzlinge benutzt worden zu sein.

Bonfante und Kollegen befürchten nun, dass solche Setzlinge auch in anderen Anbaugebieten verwendet worden sind und die Chinesische Trüffel bereits weite Verbreitung gefunden hat. Sollte diese Vermutung zutreffen, würde sich daraus ein Problem für Trüffelbauern, Feinschmecker und vor allem für die Schwarze Trüffel ergeben. Deren genetische Vielfalt ist so gering, dass kein nennenswerter Widerstand gegen die eingeschleppte Verwandtschaft zu erwarten ist.

Forschung: Claude Murat, Elisa Zampieri, Alfredo Vizzini und Paola Bonfante, Dipartimento di Biologia Vegetale dell’Università di Torino und Istituto per la Protezione delle Piante del CNR, Turin

Veröffentlichung New Phytologist, Vol. 178(4), pp 699-702, DOI 10.1111/j.1469-8137.2008.02449.x

WWW:
CNR-Istituto per la Protezione delle Piante
Dipartimento di Biologia Vegetale, Università di Torino
truffle.org
Périgord Black Truffle (PDF)
Mykorrhiza

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1 Kommentar zu "Trüffel-Invasion aus Asien"

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