Posted in: Natur- und Umweltschutz 18. September 2008 01:00 Weiter lesen →

Pflanzliche Invasoren machen Druck

Nahaufnahme eines Blütenstandes mit kleinen, weißen Blüten Die Zahl eingeschleppter Pflanzenarten in Europa hat sich in den letzten 25 Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus einem neuen Inventar gebietsfremder Arten hervor, das europäische Forscher erstellt haben. Demnach wachsen gut 5.800 Pflanzenarten in Europa in Gebieten, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Mehr als 2.800 davon sind außereuropäischen Ursprungs.

Das Kanadische Berufkraut (Conyza canadensis) ist in Nordamerika beheimatet. In Europa ist die Pflanze oft als Schüttgutbegleiter zu finden und teilweise herbizidresistent. Foto: André Künzelmann/UFZ

Die meisten dieser Arten wurden unbeabsichtigt bei Gütertransporten eingeschleppt, etwa als Kontamination von Saatgut oder Mineralien, ermittelten Wissenschaftler aus 15 Ländern, darunter auch Stefan Klotz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle. Gut ein Drittel der Neulinge sei allerdings absichtlich eingeführt worden, beispielsweise als Zier- oder Gartenpflanzen, und habe sich dann selbstständig gemacht, schreiben die Forscher im Fachblatt „Preslia“.

Für ihr Inventar gebietsfremder Arten werteten die Forscher Daten aus 48 europäischen Ländern bzw. Gebieten aus. Besonders viele pflanzliche Einwanderer sind demnach in Belgien, Großbritannien und Tschechien beobachtet worden. Deutschland zählt dagegen zu jenen Ländern, in denen besonders viele eingeschleppte Arten inzwischen als eingebürgert gelten müssen, da sie sich selbst erhaltende Bestände aufgebaut haben. Besonders weit verbreitet sind beispielsweise das Kanadische Berufkraut, die Topinambur und die Gewöhnliche Robinie.

Derzeit tauchen in Europa jährlich etwa 6 Pflanzenarten in Gebieten auf, in denen man sie vorher nicht kannte. Die Invasoren können als Konkurrenten um Platz, Licht und Nährstoffe eine Gefahr für die heimische Flora darstellen und darüber hinaus enorme gesundheitliche und wirtschaftliche Kosten verursachen. Für Deutschland würden die volkswirtschaftlichen Schäden durch lediglich 3 der sich am schnellsten ausbreitenden Neophyten auf etwa 70 Millionen Euro pro Jahr geschätzt, so das UFZ in einer Mitteilung.

Forschung: Philip W. Lambdon, Centre for Ecology and Hydrology, Banchory; Petr Pyšek, Institute of Botany, Academy of Sciences of the Czech Republic, Průhonice; Stefan Klotz, Department Biozönoseforschung, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Halle; und andere

Veröffentlichung Preslia, Vol. 80(2), pp 101-49

WWW:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
DAISIE – Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe
Neoflora – Invasive gebietsfremde Arten in Deutschland
Einwanderungsland Deutschland

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