Posted in: Atmosphäre, Klima, Land, Nachrichten 10. September 2008 19:00 Weiter lesen →

Alte Wälder kontern Klimawandel

Foto zeigt weißes Messinstrument, aufgebaut aus mehreren Röhren, hoch über einem Nadelwald, der sich bis zum Horizont erstreckt, dort ein wolkenverhangener Berg Nicht nur junge, auch alte Wälder entziehen der Atmosphäre langfristig Kohlendioxid. Dieses Fazit ziehen europäische und amerikanische Forscher nach der Auswertung von Daten aus über 519 Wäldern. Selbst mehr als 300 Jahre alte Waldflächen erwiesen sich dabei mehrheitlich als Senken für das Treibhausgas.

Mit Hilfe von Messinstrumenten, die gleichzeitig die Bewegung und den CO2-Gehalt der Luft erfassen, wird der Gasaustausch zwischen Wald und Atmosphäre untersucht. Foto: Cristoph Thomas 2007

Dieses Resultat widerspreche der gängigen Ansicht, Wälder würden im Alter kohlenstoffneutral, schreiben die Forscher um Sebastiaan Luyssart von der Universität Antwerpen und Ernst-Detlef Schulze vom Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie im Magazin „Nature“. Dieser Hypothese zufolge, sollten alte Wälder durch die Atmung der Bäume und die Zersetzung abgestorbenen Pflanzenmaterials ebenso viel Kohlendioxid freisetzen wie die Bäume bei der Photosynthese aufnehmen.

Luyssart, Schulze und Kollegen stützen ihre Analyse auf eine Datenbank, in der sie Messresultate aus 15 bis 800 Jahre alten Wäldern der nördlichen und der gemäßigten Breiten zusammengetragen hatten. Demnach geht die Netto-Kohlendioxidaufnahme eines Waldes mit dem Alter leicht zurück. Im Schnitt binden aber selbst über 200 Jahre alte Wälder pro Hektar und Jahr gut 2,4 Tonnen Kohlenstoff. Der größte Teil dieses Materials scheint in Form von Wurzelmasse und organischer Bodenmasse angereichert zu werden.

Allein die älteren Wälder auf der Nordhalbkugel der Erde binden jährlich etwa 1,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, schätzen die Forscher. Ihrer Ansicht nach kann der Erhalt älterer Wälder daher durchaus als Maßnahme gegen den Klimawandel gewertet werden. Das gelte umso mehr, als sich in solchen Wäldern offensichtlich immense Mengen von Kohlenstoff angehäuft hätten, die im Falle einer Rodung oder eines anderen großflächigen Eingriffs rasch in Form von Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen könnten.

Forschung:Sebastiaan Luyssaert und Beverly E. Law, Departement Biologie, Universiteit Antwerpen, und Collegeof Forestry, Oregon State University, Corvallis; Ernst-Detlev Schulze, Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 455, 11. September 2008, pp 213-5, DOI 10.1038/nature07276, und Global Change Biology, Vol. 13(12), pp 2509-37, DOI 10.1111/j.1365-2486.2007.01439.x

WWW:
Planten- en Vegetatie-ecologie, Universiteit Antwerpen
Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena
Der Kohlenstoff-Kreislauf
Net Ecosystem Productivity
Intergovernmental Panel on Climate Change
Mitigation of Climate Change

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