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Stürmische Abfuhr

28. Juli 2008 12:23

Foto zeigt einen Jeep, im bräunlichen Wasser eines angeschwollenen Flusses liegend Ein Wirbelsturm kann binnen kurzer Zeit immense Mengen von Kohlenstoff vom Land ins Meer verfrachten. Das belegen Messungen, die amerikanische und taiwanische Geowissenschaftler angestellt haben. Während sich ein Taifun über der Insel Taiwan austobte, schwemmte ein von den Forschern studierter Fluss ebenso viel Kohlenstoff fort wie in der übrigen Zeit des Jahres.

Während eines Wirbelsturms kann sich ein zuvor friedlicher Fluss in ein reißendes Gewässer verwandeln. Foto: Courtesy Ohio State University

Binnen vier Tagen trug der Choshui rund 61 Millionen Tonnen Sediment gen Meer, berichten Anne Carey von der Ohio State University und ihre Kollegen im Fachblatt “Geology”. Allein die Masse partikulären organischen Kohlenstoffs belief sich auf etwa 500.000 Tonnen. Und die chemische Verwitterung des vom Regen freigelegten Silikatgesteins dürfte der Atmosphäre rund 7.000 Tonnen Kohlendioxid entzogen haben - allein im Einzugsbereich des Flusses.

Carey und ihr Student Steve Goldsmith analysierten Daten über Wasserproben, die taiwanische Kollegen Anfang Juli 2004 gesammelt hatten. Damals war der Taifun Mindulle zunächst über den Nordteil der Philippinen gezogen und hatte dann Kurs auf Taiwan genommen. Ohnehin in der Nähe des Choshui tätig, nutzten die Forscher die Gelegenheit, um erstmals während eines Wirbelsturms systematisch Proben der Flutwelle zu nehmen. Im Laufe der 96-stündigen Messkampagne mussten sie allerdings nicht nur ihre Ausrüstung, sondern zeitweise auch sich selbst anleinen.

Alljährlich zögen zwei bis vier Taifune über Taiwan hinweg, so Carey. Daher sei es durchaus vorstellbar, dass die bei Wirbelstürmen ins Meer verfrachtete Kohlenstoffmenge im langjährigen Mittel in der gleichen Größenordnung liege wie der Kohlenstoffausstoß des Landes. Zumindest ein Teil des Materials werde für viele Millionen Jahre in Form von Sedimentgestein am Meeresgrund gelagert. Diese Funktion Taiwans, Neuguineas und anderer Inseln als Kohlenstoffpumpen müsse berücksichtigt werden, wenn man den globalen Kohlenstoffkreislauf verstehen wolle.

Forschung: Steven T. Goldsmith und Anne E. Carey, School of Earth Sciences, Ohio State University, Columbus; Jean Chen, Academia Sinica, Research Center for Environmental Changes, Taipei; und andere

Veröffentlichung Geology, Vol. 36(6), pp 483-6, DOI 10.1130/G24624A.1

WWW:
School of Earth Sciences, Ohio State University
Research Center for Environmental Change, Academia Sinica
Typhoon Mindulle
Chemische Verwitterung
Der Kohlenstoffkreislauf

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