Fischfang-Verbot schützt Korallen

Foto eines fleischfarbenen Dornenkronenseesterns mit langen Stacheln auf einer weiß-grünlichen Koralle, im Hintergrund tiefblaues Wasser Eine Art ökologische Selbstkontrolle kann Korallen vor einem ihrer gefräßigsten Feinde schützen, hat ein australischer Biologe ermittelt. Jene Abschnitte des Großen Barriereriffs, in denen ein striktes Fischfangverbot herrscht, werden nur relativ selten von Massenvermehrungen des Dornenkronenseesterns heimgesucht.

Dornenkronenseesterne sind normalerweise eher selten. Die gelegentlichen Massenauftreten laufen als Welle mit den vorherrschenden Meeresströmungen von Norden nach Süden durch das Große Barriereriff. Foto: Albert Kok

Mehr als tellergroß und mit Giftstacheln gespickt, kann jeder einzelne dieser Seesterne pro Monat einen Quadratmeter Korallen abweiden. Wenn die Tiere in Massen auftreten, wie es im Großen Barriereriff seit den 60er-Jahren mehrmals geschehen ist, verwandeln sie den Meeresboden in eine bleiche Kalkwüste. Offenbar begünstige das Fehlen von Fressfeinden solche Vorkommnisse, schreibt Hugh Sweatman vom Australian Institute of Marine Science im Fachblatt “Current Biology”.

Sweatman analysierte Daten systematischer Beobachtungen des Dornenkronenseesterns (Acanthaster planci), die alljährlich in dem Riffgürtel vor der australischen Ostküste angestellt werden. Die Analyse beginnt im Jahr 1994 und damit fünf Jahre nach der Einrichtung der ersten “No Take”-Schutzgebiete in der Region. In solchen Gebieten darf dem Meer keinerlei Material entnommen werden, insbesondere ist jeglicher Fischfang verboten.

Alle Riffzonen zusammengefasst, waren bis zum Jahr 2004 rund 57 Prozent der nicht unter Schutz gestellten Gebiete von Massenauftreten des Seesterns betroffen. Der Anteil der betroffenen “No Take”-Gebiete betrug dagegen nur 8 Prozent, ermittelte der Forscher. In der besonders häufig heimgesuchten Zone im mittleren Teil des Riffgürtels betrugen die Anteile 75 und 20 Prozent.

Der Effekt sei umso erstaunlicher, als nur wenige Hobbyangler bis in die Kernzone des Riffs gelangten, so Sweatman. Auch stellten diese in der Regel fischfressenden Zackenbarschen nach. Daher sei der Schutz vor den Seesternen vermutlich durch einen Kaskadeneffekt im Raum und im Nahrungsnetz zu erklären: Weniger Fischfang bedeute mehr Zackenbarsche und damit weniger kleinere Fische, die es ihrerseits auf Schnecken und Würmer abgesehen hätten. Und eben diese Wirbellosen machten sich über junge Dornenkronenseesterne her.

Forschung: Hugh Sweatman, Australian Institute of Marine Science, Townsville, Queensland

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18(14), 22. Juli 2008

WWW:
Australian Institute of Marine Science
Crown-of-Thorns Starfish
Great Barrier Reef Marine Park
What Are “No-Take” Marine Reserves?
Coral Trout

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Hochzeitsschmaus im Riff


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