Posted in: Klima, Meeresforschung, Tierwelt 17. Juli 2008 20:00 Weiter lesen →

Eisige Pflüge

Intensiv rot gefärbte Seesterne drängeln sich auf einer grauen Masse am Meeresgrund Seesternen und anderen Bewohnern der antarktischen Küstengewässer dürfte der Himmel künftig häufiger auf den Kopf fallen. Britische Forscher haben im Rahmen einer kleinen Pilotstudie ermittelt, dass der dortige Meeresgrund umso häufiger von Eisbergen umgepflügt wird, je weniger lange das Meer im Winter zugefroren ist.

Was des einen Abfall, ist des anderen Festmahl: Seesterne machen sich über den Kot einer Robbe her. Foto: Simon Brockington, (c) British Antarctic Survey

„In Jahren mit einer langen Eissaison von gut acht Monaten ist die Einwirkung durch Eisberge sehr gering“, erklärt Dan Smale vom British Antarctic Survey in Cambridge. Der Grund sei, dass sich Eisberge in einem großflächig zugefrorenem Meer nicht vom Fleck bewegen könnten, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Magazin „Science“. Gerade im Bereich der Antarktischen Halbinsel stiegen die Temperaturen jedoch rasch an, sodass das Meer tendenziell weniger lange zufriere.

Smale und Kollegen führten ihre Versuche vor der Adelaide-Insel westlich der Antarktischen Halbinsel durch. Die Forscher brachten 225 Betonplatten in unterschiedlichen Wassertiefen aus, kontrollierten alljährlich im Januar, ob diese von Eisbergen zermalmt worden waren, und sorgten gegebenenfalls für Ersatz. In den Jahren 2004 bis 2008 schwankte der Anteil beschädigter Platten zwischen 12 und 44 Prozent. Der Wert lag umso höher, je kürzer das Meer im vorausgehenden Winter vollständig von Festeis bedeckt gewesen war.

„Die Stärke des Zusammenhangs zwischen den beiden Faktoren ist verblüffend“, so Smale weiter. Mittelfristig dürfte mit den Temperaturen in der Region wohl auch der Einfluss der Eisberge auf den Meeresboden steigen. Sollten sich die dortigen Gletscher schließlich so weit zurückziehen, dass ihre Zungen nicht mehr auf dem Wasser aufschwimmen, dürfte die Zahl der Eisberge und damit der Pflugeffekt wiederum stark sinken.

Die Folgen dieser Veränderungen für die Fauna am Meeresboden seien unklar. Einerseits zermalmten die eisigen Kiele Organismen, andererseits ermöglichten sie ein Nebeneinander „alter“ und „junger“ Lebensgemeinschaften.

Forschung: Dan A. Smale, Kirsty M. Brown, David K.A. Barnes, Keiron P.P. Fraser und Andrew Clarke, British Antarctic Survey, Cambridge

Veröffentlichung Science, Vol. 321, 18. Juli 2008, p 371, DOI 10.1126/science.1158647

WWW:
British Antarctic Survey
Antarktische Halbinsel

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