Im Wald der Fledermäuse
14. Juli 2008 12:05
In einem Waldgebiet im Osten Ecuadors gibt es wohl mehr verschiedene Fledermäuse als irgends sonst auf der Erde. Forscher aus Berlin und Boston haben ermittelt, dass in dem wenige Hektar großen Wald nicht weniger als 100 Fledermausarten Seite an Seite leben.
Foto: US Fish and Wildlife Service
Zwar sei die Gegend um die Tiputini-Forschungsstation bereits als Brennpunkt der Artenvielfalt bekannt, erläutert Christian Vogt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. “Wir haben mit einer hohen Zahl von Fledermausarten gerechnet, als wir unsere Arbeit aufnahmen. Der Schätzwert, der sich schließlich ergab, hat uns aber selbst überrascht.”
Voigt und Kollegen untersuchen die erstaunliche Artenvielfalt unter den Fledermäusen der “Neuen Welt” - insbesondere interessieren sie sich für die Familie der Blattnasen (Phyllostomidae). Über Monate spannten sie immer wieder Netze an verschiedenen Stellen in Costa Rica und Ecuador auf und registrierten, wie viele Vertreter welcher Fledermausarten sich darin verfingen. Die auf diesen Daten beruhenden Schätzungen präsentieren sie im “Biological Journal of the Linnean Society”.
Von weltweit rund 900 Fledermausarten dürfte demnach mehr als ein Neuntel in dem Gebiet um die Forschungsstation und in dem angrenzenden Yasuní-Biosphärenreservat vorkommen. Und auch im Podocarpus-Nationalpark im Süden Ecuadors leben wohl mindestens 50 verschiedene Arten der Flattertiere, schätzen Voigt und Kollegen. Typische Waldgebiete der gemäßigten Zonen bringen es auf nicht mehr als 10 Arten.
Die erstaunliche Vielfalt - auch anderer Tier- sowie Pflanzengruppen - steht zwar grundsätzlich unter Schutz. Mit Sorge betrachten Naturschützer allerdings die rege Aktivität von Ölfirmen in der Region. Wenn nicht die Ölförderung selbst, so könnte doch deren Gefolge aus Arbeitern, Holzfällern und Wilderern dem Artenreichtum gefährlich werden.
Forschung: Katja Rex, Detlev H. Kelm, Kerstin Wiesner und Christian C. Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin; Thomas H. Kunz, Center for Ecology and Conservation Biology, Boston University
Veröffentlichung Biological Journal of the Linnean Society, Vol. 94(3), pp 617-29, DOI 10.1111/j.1095-8312.2008.01014.x
WWW:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
Tiputini Biodiversity Station
Yasuní Biosphere Reserve
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