Pestizide könnten Krötenmännchen verweiblichen
4. Juli 2008 15:11
Der Wassergraben inmitten von Feldern ist für eine Kröte nicht unbedingt ein idealer Platz. Das hat eine amerikanische Biologin ermittelt. Bei ihrer Studie fand sie umso mehr verweiblichte Krötenmännchen, je stärker das jeweilige Gebiet landwirtschaftlich genutzt wurde. Mitverantwortlich für diesen Effekt dürften Pestizide sein, die das Hormonsystem der Amphibien beeinflussen.
Dass solche endokrinen Disruptoren die Anatomie, das Verhalten und die Fortpflanzung von Wirbeltieren verändern könnten, sei aus Laboruntersuchungen hinlänglich bekannt, schreiben Krista McCoy von der University of Florida und ihre Kollegen im Fachblatt “Environmental Health Perspectives”. Mit dem Hinweis auf die Vielzahl von Umweltfaktoren sei eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Einsatz solcher Wirkstoffe und dem Schwinden der Amphibienbestände allerdings immer wieder angezweifelt worden.
McCoy ging die Frage nun aus einer anderen Perspektive an. Die Forscherin und ihre Kollegen sammelten über einen Zeitraum von 2 Jahren an 5 Stellen im US-Bundesstaat Florida jeweils mindestens 20 Agakröten (Bufo marinus). Die Flächen im Umkreis von 1,3 Kilometern um jeden Sammelort wurden zu 0 bis 97 Prozent landwirtschaftlich genutzt, der restliche Anteil wies eine Vorortbebauung auf. Während sich bei weiblichen Kröten keine Auffälligkeiten zeigten, waren die männlichen Tiere umso häufiger und umso stärker verweiblicht, je mehr Gemüse- und Zuckerrohranbau es in ihrer Umgebung gab.
Im Extremfall stuften die Forscher gut 40 Prozent der Männchen als “Intersex” ein. Solche Tiere fielen durch ihre gesprenkelte, für Weibchen typische Färbung auf, hatten relativ zierliche Arme und nur wenige Brunftschwielen zum festen Umklammern einer Partnerin. Nicht zuletzt wiesen sie zusätzlich zu mehr oder weniger missgebildeten Hoden auch Eierstöcke auf, während ihr Testosteronspiegel im Schnitt 75 Prozent niedriger war als der von Männchen von Vorortflächen.
Die Resultate zeigten, dass man sich bei der Ursachensuche auf Agrochemikalien wie Atrazin oder Glyphosat konzentrieren müsse, folgert McCoy. Solche Verbindungen würden weltweit eingesetzt und könnten daher zu dem beobachteten Amphibienschwund beitragen. “Was wir bei der Agakröte festgestellt haben, könnte auch für andere Tiere gelten, von anderen Amphibien bis hin zum Menschen”, so die Forscherin. “Tatsächlich werden beim Menschen zunehmend Fortpflanzungsprobleme beobachtet, und vielleicht könnte diese Zunahme auch der Exposition gegenüber Pestiziden geschuldet sein.”
Forschung: Krista A. McCoy, Louis J. Guilette und Colette M. St. Mary, School of Natural Resources and Environment und Department of Zoology, University of Florida, Gainesville; und andere
Veröffentlichung Environmental Health Perspectives, 3. Juli 2008, DOI 10.1289/ehp.11536
WWW:
Department of Zoology, University of Florida
Environment and Hormones
Global Amphibian Assessment
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schulnoten variieren mit Empfängnismonat
Ein Drittel aller Amphibien-Arten gefährdet
















