“Dunkler Tag” durch Waldbrände
9. Juni 2008 15:59
Im Frühsommer 1780 verdunkelte sich der Himmel über Neuengland und ließ nicht wenige Menschen an das Nahen des Jüngsten Gerichts denken. Die Ursachen des Phänomens waren jedoch sehr viel profanerer Natur, belegt eine Studie amerikanischer Forscher. Alte Baumstämme mit Feuernarben weisen auf ausgedehnte Waldbrände in jenem Jahr als Verursacher hin.
Ein Waldbrand im US-Bundesstaat Utah, von der ISS aus gesehen. Bild: NASA Johnson Space Center - Earth Sciences and Image Analysis
Heute lasse sich die Verbindung zwischen Bränden und dunklen Wolken sehr leicht herstellen, erklären die Forscher um Erin McMurry von der University of Missouri. Damals sei dies jedoch nicht so einfach möglich gewesen, da die Brände in einigen Hundert Kilometern Entfernung in Ontario gewütet hätten. Und zu jener Zeit hätten sich Nachrichten bestenfalls mit der Geschwindigkeit eines reitenden Boten verbreitet.
Der “Dunkle Tag” am 19. Mai 1780 wird in vielen zeitgenössischen Berichten erwähnt. Demnach war der Himmel über Maine, Massachusetts und New Hampshire so dunkel, dass die Menschen ihr Mittagsmahl bei Kerzenschein verzehren mussten, Blumen ihre Blüten verschlossen und nachtaktive Vögel zu singen begannen - ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis, wenngleich über einen sehr viel längeren Zeitraum.
McMurry und Kollegen verknüpften diese Berichte mit Untersuchungen an alten Baumstämmen, die aus der Region Algonquin im Süden der kanadischen Provinz Ontario stammten. Auf diese Weise konnten sie die Waldbrand-Hypothese bekräftigen, wie sie im späten 18. Jahrhundert als “zu einfach und absurd” verworfen worden war.
Die stärksten Belege dafür lieferten verfärbte, deformierte Jahresringe aus dem Jahr 1780, erklärt McMurrys Kollege Richard Guyette. “Schaut man sich die Ringe an, sieht man verkohlte Stellen an der Außenseite und darauf Harzabsonderungen, die zusammen dunkle Flecken bilden.” Solche Merkmale sprächen für eine vernarbte Gewebeschädigung als Folge eines vorüberziehenden Feuers, so der Forscher.
Forschung: Erin R. McMurry, Michael C. Stambaugh, Richard P. Guyette und Daniel C. Dey, Department of Forestry, School of Natural Resources, University of Missouri, und US Forest Service, Columbia, Missouri
Veröffentlichung International Journal of Wildland Fire, Vol. 16(3), pp 266-70, DOI 10.1071/WF05095
WWW:
Missouri Tree-Ring Laboratory
- Fire Scars
New England’s Dark Day
Jahresringe
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