Eisberge im subtropischen Atlantik
29. Mai 2008 18:21 Drucken
Vom Golfstrom umschmeichelt, ist die Südostküste der USA heute ein subtropisches Paradies für Wassersportler. Völlig anders waren die Verhältnisse vor einigen Tausend Jahren, zeigen die Beobachtungen einer amerikanischen Forscherin. Gemessen an tiefen “Kratzspuren” im Meeresgrund, liefen einst ganze Flotten großer Eisberge vor der Küste auf Grund.
Während der letzten Vereisungsperiode konnten Eisberge zwischen Küste und Golfstrom möglicherweise weit nach Süden gelangen. Foto: Lieutenant Philip Hall, NOAA Corps
Ein derart weiter Vorstoß von Eisbergen ist nicht allein durch die tieferen Temperaturen auf dem Höhepunkt der jüngsten Vereisung zu erklären, glauben Jenna Hill von der Coastal Carolina University und ihre Kollegen. Wahrscheinlich sei damals der Golfstrom zumindest zeitweise von der Küste abgelenkt worden, sodass Schmelzwasserströme aus dem Norden bis weit in südliche Gefilde gelangen konnten.
Hill und Kollegen analysierten hochauflösende Vermessungsdaten von zwei Forschungsfahrten vor der Küste des US-Bundesstaates South Carolina. Zu ihrer Verblüffung fanden sie Dutzende von mehreren Kilometer langen Furchen im Meeresgrund, etwa 110 Kilometer vor der Küste in Tiefen von bis zu 220 Metern gelegen.
Die Furchen verlaufen beinahe geradlinig in Richtung Südwest, sind bis zu 100 Meter breit und werden von Sedimentwällen und großen Felsbrocken flankiert. Zudem weisen viele von ihnen am südwestlichen Ende eine runde Grube auf, berichten die Forscher im Fachblatt “Geology”. Ihrer Ansicht nach stammen diese Spuren von Eisbergen, die mit ihrer Unterseite durch den Meeresgrund pflügten und schließlich zum Stillstand kamen – nicht ohne immer wieder an ihrem “Anker” zu zerren.
Lage und Orientierung der Spuren bekräftigten die Vermutung, dass die Eisberge von einer nordöstlichen Strömung gegen die Küste gedrückt worden seien, so Hill und Kollegen. Wahrscheinlich habe der niedrige Meeresspiegel während der Vereisung seinen Teil dazu beigetragen, dass eine solche Strömung von der Eiskappe im Norden gut 1.000 Kilometer weit nach Süden vordringen konnte.
Forschung: Jenna C. Hill und Paul T. Gayes, Center for Marine and Wetland Studies, Coastal Carolina University, Conway, South Carolina; Neal W. Driscoll, Scripps Institution of Oceanography, University of California, San Diego; und andere
Veröffentlichung Geology, Vol. 36(6), pp 447-50, DOI 10.1130/G24651A.1
WWW:
Center for Marine and Wetland Studies, Coastal Carolina University
The Gulf Stream
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