Hausspitzmaus erreicht Irland
Dienstag, 29. April 2008, 12:11 • Rubrik Tierwelt.
Die Fauna Irlands ist seit kurzem um eine Säugerart reicher – allerdings um eine mit spitzen Zähnen und großem Hunger. Irische Biologen haben entdeckt, dass die Hausspitzmaus auf der grünen Insel heimisch geworden ist. Die Auswirkungen auf die Tierwelt sind noch nicht absehbar.
Der Neuling dürfte sich über die gesamte Insel ausbreiten. Foto: David Tosh, Queen’s University Belfast
David Tosh von der Queen’s University in Belfast bereitete Speiballen von Schleiereulen zur Trocknung vor, als ihm darin ein ungewöhnlich großer Spitzmausschädel auffiel. “Unsere heimische Zwergspitzmaus ist viel kleiner. Daher war sofort klar, dass es sich um einen ungewöhnlichen Fund handelte”, so der Forscher.
Tosh konnte den Schädel der Hausspitzmaus (Crocidura russula) zuordnen, einer fingerlangen und ursprünglich in Teilen Afrikas und Mitteleuropas heimischen Art. Die untersuchten Speiballen stammten aus den irischen Countys Limerick und Tipperary. In letzterem wurden wenig später auch sieben lebende Exemplare gefangen, berichten der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt “Mammal Review”.
“Unsere Funde sprechen für mindestens eine, kürzlich erfolgte Einschleppung vom europäischen Kontinent und eine rasche Vermehrung”, erklärt Toshs Doktorvater Ian Montgommery. Dieser Vorgang sei umso bemerkenswerter, als gebietsfremde Arten typischerweise über Britannien nach Irland gelangten. In diesem Fall stammten die nächsten Nachweise der Hausspitzmaus jedoch von den Kanalinseln und den Scilly-Inseln vor Cornwall.
Spitzmäuse werden wie Igel und Maulwurf zu den Insektenfressern gerechnet. Anders als die “typischen” Mäuse aus der Gruppe der Nagetiere, besitzen sie nur kleine Ohren und einen relativ kurzen Schwanz. Um ihren auf Hochtouren laufenden Stoffwechsel unterhalten zu können, sind sie beinahe ständig auf der Suche nach Beute. Dabei schrecken sie auch vor anderen Wirbeltieren nicht zurück, die größer sind als sie.
Nach Ansicht der Forscher dürfte sich die Hausspitzmaus über die gesamte Insel ausbreiten. Zwar erweitere der Neuling den Speisezettel der Greifvögel auf Irland. Gleichzeitig könne er jedoch der Zwergspitzmaus und anderen Kleinsäugern gefährlich werden. Seine Auswirkungen müssten daher sorgfältig studiert werden.
Forschung: David G. Tosh, Quercus, School of Biological Sciences, Queen’s University, Belfast; John Lusby, Environmental Research Institute, University College Cork, und Birdwatch Ireland, Banagher; und andere
Veröffentlichung Mammal Review, DOI 10.1111/j.1365-2907.2008.00130.x
WWW:
Homepage der Forschergruppe
Birdwatch Ireland
Spitzmäuse
Detektivarbeit mit Lupe und Pinzette
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