Spinnen fressen verboten
18. April 2008 16:26 Drucken
Quecksilber im Wasser bedroht nicht nur Flusslebewesen. Das toxische Element landet über die Nahrungskette auch bei reinen Landbewohnern. Vögel, die Spinnen fressen, holen sich besonders große Portionen des Giftes. Das zeigen US-amerikanische Forscher beispielhaft an 13 Vogelarten, die sich von belasteten Insekten ernähren.
Ein weiblicher Rotkehlhüttensänger hat Futter für den Nachwuchs im Schnabel. Foto: Science
Der Biologe Daniel Cristol und seine Kollegen vom “College of William and Mary” in Williamsburg untersuchten 13 Landvogelarten, die im Umfeld des Shenandoah Rivers im US-Bundesstaat Virginia leben. Zwischen 1930 und 1950 waren über einen Nebenfluss mit Quecksilber verseuchte Industrieabwässer eingespült worden. Das Gift hat sich in den Tieren der Region bis heute eingelagert, schreiben die Forscher im Magazin “Science”.
Sie analysierten das Blut von Vögeln, die in einer Uferzone von 50 Metern brüten, und verglichen die Proben mit dem Blut gleicher Arten von unbelasteten Standorten. Bei 12 von 13 Arten habe man deutlich höhere Quecksilber-Werte gefunden, schreiben die Forscher. Das Gift sei auch in den Federn nachweisbar, wo es sich während des Wachstums der Tiere ablagere. Die Belastung entspreche weitgehend der von Wasservögeln in der Region.
Die betreffenden Tiere sind landlebende Insektenfresser und müssen das Gift über Motten, Grashüpfer und Spinnen aufgenommen haben. Sämtliche Beutetiere seien ebenfalls Landbewohner, so die Forscher. Die Spinnen in der Uferzone seien aus noch unbekanntem Grund besonders stark belastet. Ihre Quecksilber-Werte lägen noch über denen von verseuchten Fischen.
Spinnen stellten nur ein Viertel der Beutetiere, so die Forscher, seien aber für 75 Prozent der Quecksilber-Aufnahme der betroffenen Vögel verantwortlich. Möglicherweise ernährten sich die Spinnen von Wasserinsekten oder nähmen das Gift über den Boden auf, spekulieren die Forscher.
Forschung: Daniel A. Cristol u.a., Institute for Integrative Bird Behavior Studies, Department of Biology, College of William and Mary in Williamsburg, VA., in Science Vol. 320, 18.4.2008, p 335
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Abstract in Science
Infos beim College of William and Mary
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