Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 7. April 2008 17:28 Weiter lesen →

Fledermäuse helfen bei der Aufforstung

Foto zeigt eine Fledermaus von vorn im Flug mit weit geöffneten Schwingen Mit Hilfe von Fledermäusen lassen sich Lücken in tropischen Wäldern besonders rasch wieder schließen. Entsprechende Resultate präsentieren Berliner und Erlanger Forscher im Fachblatt „Conservation Biology“. Nachdem sie künstliche Bäume als Tagesquartiere auf gerodeten Flächen aufgestellt hatten, verbreiteten die Flattertiere dort eine Vielzahl von Pflanzensamen.

Foto: Courtesy of F.T. Muijres, Lund University

Normalerweise nähmen tropische Wälder nur langsam wieder Besitz von gerodeten Flächen, erklärt Detlev Klem vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Ein Grund dafür sei, dass diese Flächen keinerlei Schutz für Samen verbreitende Vögel und andere Tiere böten und daher von diesen gemieden würden. „Hier können Fledermäuse Abhilfe schaffen, denn sie scheuen die offenen Flächen nicht und haben einen großen Aktionsradius.“

In den letzten Jahren ist die von tropischen Wäldern bewachsene Fläche weltweit um jährlich fast 0,2 Prozent geschrumpft, in Mittel- und Südamerika waren es stellenweise sogar 1,5 Prozent. Nach der Rodung ist der Boden jedoch nur wenige Jahre für intensiven Ackerbau geeignet und liegt danach brach.

Versuchsweise stellten Klem und Kollegen Nistkästen, die an hohle Baumstämme erinnerten, auf gerodeten Flächen in Costa Rica auf. Tatsächlich wurden die Behausungen binnen Wochen von mehreren Fledermausarten angenommen. Und mit ihren Ausscheidungen verteilten die Fruchtfresser und Nektartrinker rasch die Samen von mehr als 60 Pflanzenarten in der Umgebung – darunter auch viele Pionierarten.

Die Nistquartiere seien kostengünstig herzustellen und bedürften nur minimaler Wartung, so Klem weiter. „Wir hoffen, dass diese billige und einfache Methode in Zukunft in vielen Gebieten der Neuwelt-Tropen angewandt wird, und somit Fledermäuse als wichtige Helfer bei der natürlichen Wiederbewaldung der Tropen ‚angestellt‘ werden.“

Forschung: Detlev H. Kelm, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin; Kerstin Wiesner und Otto von Helversen, Institut für Zoologie, Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen

Veröffentlichung Conservation Biology

WWW:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin
Lehrstuhl Zoologie II, Uni Erlangen-Nürnberg
Tropenwälder
Chiroptera – Night Fliers

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