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Stadtpflanzen halten den Nachwuchs zusammen

pippau-stadt_300 [1] Wildblühende Kräuter sind in Großstädten häufig auf das Fleckchen Erde zu Füßen eines Straßenbaums beschränkt. Diese Lebensweise hinterlässt Spuren im Erbgut der Pflanzen, haben französische Forscher ermittelt. Der von ihnen studierte Pippau produziert in der Stadt weniger flugfähige Samen als im Umland.

Der einjährige Pippau kann überall dort wachsen, wo seine Früchte auf geeigneten Boden fallen. Foto: Gilles Przetak

Vom Wind weit verfrachtete Samen landeten in der Stadt häufig auf Asphalt, Beton und anderen ungeeigneten Flächen, schreiben die Forscher um Pierre-Olivier Cheptou vom Centre d’Ecologie Fonctionnelle et Evolutive in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Daher sei es für Pflanzen in einer solchen Umgebung effizienter, ihre Ressourcen nicht allzu weit auszustreuen. Ein ähnliches Phänomen sei bei inselbewohnenden Pflanzen beobachtet worden.

Cheptou und Kollegen studieren die Anpassungsfähigkeiten des Heiligen Pippau (Crepis sancta), eines nahen Verwandten von Wegwarte und Löwenzahn. Die Blütenköpfe der Art bringen zweierlei Fruchttypen hervor, deren Anteil erblich bedingt schwankt. Der eine Typ ist leicht und trägt – ähnlich den Früchten einer „Pusteblume“ – einen Kranz feiner Haare. Der andere Typ ist relativ schwer und besitzt kein solches Flugorgan. Daher landet er im Freiland mehr als doppelt so häufig binnen 0,5 Metern Abstand von der Mutterpflanze.

Dieses Phänomen scheint in der Stadt jene Pflanzen zu begünstigen, die besonders viele Früchte ohne Flugorgan bilden, fanden die Forscher. Bei Pippau aus dem Zentrum der Großstadt Montpellier waren etwa 15 Prozent der Früchte vom schlecht verbreiteten Typ. Bei Artgenossen, die im Umland der Stadt auf Brachflächen oder in Weinbergen wuchsen, waren es dagegen nur 10 Prozent. Die Modellrechnungen der Gruppe ergaben, dass diese Selektion maximal zwölf Jahre gedauert haben dürfte. Tatsächlich waren die studierten „Beete“ in Montpellier spätestens im Jahr 1995 angelegt worden.

Forschung: Pierre-Olivier Cheptou, Ode Carrue, Rouifed Soraya und Amélie Cantarel, UMR 5175, Centre d’Ecologie Fonctionnelle et Evolutive, CNRS, Montpellier

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 105(10), pp 3796-9, DOI 10.1073/pnas.0708446105

WWW:
Ecologie et Génétique Evolutive, CEFE
Crepis sancta

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