Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 3. März 2008 06:01 Weiter lesen →

Wintersportler stressen Auerhühner

auerhenne_300 Der Winter ist für das Auerhuhn eine anstrengende Zeit. Das liegt nicht nur daran, dass die Temperaturen fallen und sich der Schnee auf die Vegetation legt, haben schweizerische Biologen gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Österreich ermittelt. Zumindest im Schwarzwald bedeuten Skifahrer und Schneewanderer zusätzlichen Stress für den selten gewordenen Vogel.

Auerhennen besitzen ein weniger auffälliges Gefieder als Auerhähne. Foto: Xocolatl, via wikimedia.org

„Der Skitourismus beeinflusst sowohl die Habitatnutzung als auch den Hormonhaushalt von Auerhühnern und das könnte sich negativ auf ihre körperliche Verfassung und ihre Gesamtfitness auswirken“, erklären die Forscher um Dominik Thiel und Lukas Jenni von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Zwar seien die neuen Resultate kein Beleg dafür, dass der Tourismus zum Verschwinden der Art beitrage. Des ungeachtet sollten den scheuen Vögeln mehr Rückzugsflächen eingeräumt werden.

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) war einst weit verbreitet in Europa und Asien. Seit Jahrzehnten schrumpfen die Bestände jedoch, sodass der große Vogel etwa in Deutschland auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten geführt wird. Um mehr über die Ursachen herauszufinden, studierten Thiel und Kollegen im Südschwarzwald, ob und wie die Tiere auf den Skitourismus reagieren.

Die Forscher versahen 15 Auerhennen und Auerhähne mit kleinen Peilsendern, um regelmäßig deren Aufenthaltsort bestimmen zu können. Zudem untersuchten sie knapp 400 Kotproben auf den Gehalt an Abbauprodukten von Corticosteroiden. Die über drei Winter gesammelten Daten zeigen, dass sich mit dem Beginn der Wintersportsaison das Verhalten und die Physiologie der Vögel ändern: Zwar bleiben die Tiere ihrem jeweiligen Aktionsraum insgesamt treu, meiden jedoch von Touristen frequentierte Pisten, Loipen und Wanderwege darin. Gleichzeitig steigen die Spiegel an Stresshormonen, berichtet die Gruppe im „Journal of Applied Ecology“.

Langfristig erhöhte Spiegel von Corticosteroiden könnten Immunsystem, Wachstum, Überleben und Fortpflanzung der betroffenen Individuen beeinträchtigen, schreiben Thiel und Kollegen. Der auf 60 Auerhühner geschätzte Restbestand im südlichen Schwarzwald könnte unter diesen Folgen besonders stark leiden. Der dortige Skitourismus konzentriere sich nämlich auf die höchsten schneereichen Lagen mit lichten Wäldern auf sanft geneigten Hängen. „Eben diese Wälder sind die letzten hochwertigen Auerhuhn-Lebensräume in der Region“, so die Forscher.

Forschung: Dominik Thiel, Susanne Eiermann und Lukas Jenni, Schweizerische Vogelwarte Sempach und Institut für Umweltwissenschaften, Universität Zürich; und andere

Veröffentlichung Journal of Applied Ecology, 3. März 2008, DOI 10.1111/j.1365-2664.2008.01465.x

WWW:
Schweizerische Vogelwarte Sempach
Auerhuhn
Naturpark Südschwarzwald

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