Abwasser-Substanzen in Regenwürmern

Foto zeigt zwei weiß-behandschuhte Hände, die einen tiefbraunen Klumpen Mutterboden halten, aus dem einige rosige Regenwürmer herausschauenWas durch Spülbecken oder Toilette rauscht, ist noch längst nicht aus der Welt. Amerikanische Forscher haben ermittelt, dass Regenwürmer viele Verbindungen aus Klärschlamm aufnehmen, nachdem dieser als Dünger ausgebracht worden ist. Da die Würmer wiederum von Vögeln, Säugern und anderen Tieren gefressen werden, könnten sich diese Verbindungen – teils in konzentrierter Form – im Nahrungsnetz ausbreiten.

Regenwürmer können Verbindungen aus Klärschlamm und Gülle anreichern und so in das Nahrungsnetz einspeisen. Foto: Courtesy US Geological Survey

Ähnliches gilt für Verbindungen aus Schweinegülle, berichten die Forscher um Chad Kinney von der Colorado State University und Edward Furlong vom US Geological Survey im Fachblatt „Environmental Science and Technology“. Einige der gefundenen Verbindungen, darunter Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln und Pflegeprodukten, beeinflussten bekanntermaßen das Hormonsystem von Tieren oder seien leberschädigend – auch beim Menschen.

In Europa und den Vereinigten Staaten werden jährlich schätzungsweise 2,4 bzw. 4 Millionen Tonnen Klärschlamm auf Feldern und anderen Flächen ausgebracht. Einige Verbindungen, die ursprünglich im Abwasser vorhanden waren, trotzen allerdings der Behandlung des Klärschlamms. Und auch die Gülle von Nutztieren kann Substanzen wie Antibiotika und andere Wirkstoffe enthalten. Um mehr über den Weg dieser Verbindungen zu erfahren, untersuchten die Chemiker Klärschlamm und Schweinegülle sowie Bodenproben und Regenwürmer von damit behandelten Feldern.

Allein der Klärschlamm enthielt 28 von 77 potenziellen Indikatorverbindungen, berichtet die Gruppe. Besonders stark vertreten waren Abbauprodukte von Cholesterin, Duftstoffe sowie Rückstände von Reinigungsmitteln. Von diesen 28 Substanzen fanden sich wiederum 25 in Regenwürmern von entsprechend behandelten Flächen wieder. Einige davon, etwa das in antibakteriellen Seifen enthaltene Triclosan oder der Blüten-Duftstoff Indol, schienen von den Tieren sogar stark angereichert zu werden.

Schweinegülle enthielt nur 12 von 77 getesteten Substanzen, die Regenwürmer von entsprechend behandelten Flächen allerdings 21. Im Einklang mit diesem überraschenden Resultat fanden die Forscher geringe Konzentrationen von 21 Indikatorverbindungen auch in Boden, auf dem seit einigen Jahren weder Klärschlamm noch Gülle ausgebracht worden waren. Laut Kinney, Furlong und Kollegen demonstriert dieser Befund, „wie schwierig es angesichts der Allgegenwart anthropogener Indikatorsubstanzen ist, eine echte Kontrollfläche zu finden“.

Forschung: Chad A. Kinney, Department of Chemistry, Colorado State University, Pueblo; Edward T. Furlong, National Water Quality Laboratory, US Geological Survey, Denver, Colorado; und andere

Online-Veröffentlichung Environmental Science and Technology, DOI 10.1021/es702304c

WWW:
Chemistry Department, Colorado State University at Pueblo
USGS National Water Quality Laboratory
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