“Junk Food” lässt Tölpelküken darben
13. Februar 2008
Fischereischiffe auf hoher See werden oft von Scharen von Vögeln begleitet. Für die Tiere sind die reichlich anfallenden Fischereiabfälle jedoch ein zweischneidiges Schwert, haben französische und südafrikanische Biologen ermittelt. Ausgewachsene Kaptölpel kommen mit dem “Junk Food” zwar bequem über die Runden. Sobald sie Nestlinge versorgen müssen, macht sich jedoch der geringe Nährwert der Abfälle bemerkbar.
In dieser Zeit verdoppeln die Altvögel die Häufigkeit und die Dauer ihrer Tauchgänge, ermittelten David Grémillet vom CNRS in Strasbourg und von der Universität Kapstadt. Dagegen erhöhe die Versorgung des Nestlings ihren Energiebedarf rein rechnerisch nur um ein Viertel. Offenbar seien die Inneren und anderen Abfälle, die die Tiere ohne großen Aufwand an der Wasseroberfläche auflesen könnten, nicht nahrhaft genug für die Aufzucht des Nachwuchses. Tatsächlich habe eine frühere Studie gezeigt, dass die übliche Beute der Vögel - fettreiche Sardellen und Sardinen - einen 100 Prozent höheren Energiegehalt habe als Innereien.
Jahr für Jahr werfen die Fangschiffe der Welt schätzungsweise 7,3 Millionen Tonnen Beifang und Reste aus der Fischverarbeitung über Bord. Bislang habe man angenommen, dass Meeresvögel von dieser Ressource eher profitierten, schreiben Grémillet und Kollegen in den “Proceedings of the Royal Society”. Der verschwindend geringe Bruterfolg in der untersuchten Kaptölpel-Kolonie zeige jedoch, dass Massen von Abfällen einen Mangel an Beutefischen nicht kompensieren könnten.
Die Forscher studierten Kaptölpel (Morus capensis) auf der Insel Malgas, im nährstoffreichen Benguelastrom vor der südafrikanischen Atlantikküste gelegen. Mit Hilfe kleiner Datenrecorder ermittelten sie, wie intensiv und wo die Vögel nach Nahrung suchten. In diesem Einzugsgebiet finden täglich mindestens 45 Fischzüge statt, ergab der Abgleich mit Daten der südafrikanischen Behörden. Die Fangschiffe sind in der Regel auf den Kapseehecht aus, der ob seiner Größe nicht als Beute für die Tölpel infrage kommt. Die Abfälle aus der Fangverarbeitung wissen die Vögel aber durchaus zu schätzen, zeigte die Untersuchung von emporgewürgter Nahrung.
Forschung: David Grémillet, Lorien Pichegru, Grégoire Kuntz und Peter G. Ryan, Département Ecologie, Physiologie et Ethologie, Institut Pluridisciplinaire Hubert Curien (DEPE-IPHC), CNRS Strasbourg, und Percy FitzPatrick Institute of African Ornithology, University of Cape Town, Kapstadt; und andere
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2007.1763; Marine Ecology Progress Series, Vol. 350, pp 127-36, DOI 10.3354/meps07128
WWW:
DEPE-IPHC, CNRS Strasbourg
Percy FitzPatrick Institute, Uni Kapstadt
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