Schwierige Auswilderung
Montag, 21. Januar 2008, 15:28 • Rubrik Natur- und Umweltschutz, Tierwelt.
Die Auswilderung von Tieren, die in der Obhut des Menschen aufgewachsen sind, bringt erhebliche Probleme mit sich. Das verdeutlicht eine Studie britischer Verhaltensforscherinnen. In lediglich einem Drittel der von ihnen betrachteten Fälle schafften es die Tiere, sich erneut dauerhaft in ihrem angestammten Lebensraum zu etablieren.
Dank eines groß angelegten Zuchtprogramms hat sich der Bestand des Kalifornischen Kondors in der freien Wildbahn vervielfacht. Große Probleme bereitet bleihaltige und damit giftige Jagdmunition, die die Vögel beim Fressen an Kadavern verschlucken. Foto: Gary Kramer/US Fish and Wildlife Service
“Üblicherweise fehlen in Gefangenschaft gehaltenen Tieren jene Verhaltensweisen, die sie zum Überleben in der freien Wildbahn benötigen”, erklärt Kristen Jule von der University of Exeter. Besonders problematisch sei die fehlende Scheu vor dem Menschen. In gut der Hälfte der Fälle kann das Scheitern der Wiederansiedlung auf diesen Faktor zurückgeführt werden, berichten die Forscherin und zwei Kolleginnen im Fachblatt “Biological Conservation”.
Wenn sie eine Art in einem Gebiet wiederansiedeln wollen, können Naturschützer auf Tiere aus Erhaltungszuchten zurückgreifen. Alternativ können sie wildlebende Exemplare aus anderen Regionen umsiedeln. Frühere Studien hätten ergeben, dass der erste Ansatz der erfolgreichere sei, so Jule. Um sich selbst ein Bild zu machen, analysierte die Forscherin Berichte über 45 Wiederansiedlungen von insgesamt 17 Raubtierarten – und kam zum entgegengesetzten Ergebnis.
Häufig ist es demnach wiederum der Mensch, der die Ansiedlung von aus Zoos entlassenen Tieren durch Jagd oder Straßenverkehr letztlich zum Scheitern verurteilt. Auch tun sich Zuchttiere in der Wildbahn schwer damit, Beute zu machen, den eigenen Fressfeinden aus dem Weg zu gehen oder arttypische Gruppen zu bilden. Nicht zuletzt scheinen sie besonders anfällig für Krankheiten zu sein.
“Ungeachtet aller Probleme glaube ich doch, dass Projekte zur Wiederansiedlung von entscheidender Bedeutung für den Naturschutz sind”, betont Jule. So lebten einige Arten nicht mehr in der Wildbahn, sondern nur noch in Erhaltungszuchten. Umso wichtiger sei es, solche Tiere besonders sorgfältig auf die Auswilderung vorzubereiten.
Forschung: Kristen R. Jule, Lisa A. Leaver und Stephen E.G. Lea, Animal Behaviour Research Group, School of Psychology, University of Exeter, Exeter
Veröffentlichung Biological Conservation, DOI 10.1016/j.biocon.2007.11.007
WWW:
Animal Behaviour Research Group, University of Exeter
Reintroduction
World Association of Zoos and Aquaria
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