Angleichung auf Alpengipfeln
Freitag, 30. November 2007, 13:58 • Rubrik Klima, Natur- und Umweltschutz.
Indem mildere Temperaturen die Alpengipfel für mehr Pflanzen zugänglich machen, geht dennoch ein Stück Vielfalt verloren. Das haben zwei Bayreuther und Leipziger Forscher in den Ostalpen beobachtet. Während die Artenzahl auf den untersuchten Gipfeln gestiegen ist, sind sich diese in ihrer Vegetation immer ähnlicher geworden.
Die Daten waren von Walther und seinen Studenten unter anderem an dem 3.262 Meter hohen Piz Languard gesammelt worden. Foto: Silje Berger/Universität Hannover
Derartige Phänomene erforderten mehr Aufmerksamkeit auf Seiten von Wissenschaftlern und Naturschützern, sind Gerald Jurasinski von der Universität Bayreuth und Jürgen Kreyling vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung überzeugt. Dies gelte umso mehr, als sie Veränderungen signalisierten, die bei alleiniger Betrachtung der Artenvielfalt nicht auffielen.
Jurasinski und Kreyling analysierten Daten, die ihr Kollege Gian-Reto Walther im Jahr 2003 auf sieben Dreitausendern der Berninagruppe an der Grenze zwischen Schweiz und Italien gesammelt hatte. Walther hatte sämtliche Pflanzen auf den obersten 10 Metern dieser Gipfel registriert und diese Aufnahme mit Erhebungen aus den Jahren 1907 und 1985 verglichen. Demnach war die Zahl der Pflanzenarten von durchschnittlich 10 auf 28 Arten pro Gipfel gestiegen – wahrscheinlich eine Folge der im gleichen Zeitraum beobachteten Erwärmung.
Immerhin zeigte sich bei der jüngsten Aufnahme, dass noch keiner der alteingesessenen, an raue Bedingungen angepassten Gipfelbewohner durch die Neuankömmlinge aus tieferen Lagen verdrängt worden war. Allerdings wurden sich die einzelnen Floren immer ähnlicher, berichten die beiden Forscher im “Journal of Vegetation Science”.
Eine solche Entwicklung sei selbst dann zu beobachten, wenn Berggruppen durch Täler voneinander getrennt seien, erläutert Kreyling. “Das ist ein deutliches Zeichen für eine beginnende Angleichung. Wir vermuten, dass die Zugänglichkeit und Popularität dieser Gipfel bei Bergsteigern dabei eine Rolle spielt – schließlich verbreiten Menschen den Samen auch durch ihre Kleidung und ihre Schuhe.”
Forschung: Gerald Jurasinski, Lehrstuhl Biogeographie, Universität Bayreuth, und Jürgen Kreyling, Department Naturschutzforschung Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig
Veröffentlichung Journal of Vegetation Science, Vol. 18(5), pp 711-8, DOI 10.1658/1100-9233(2007)18[711:USOAPI]2.0.CO;2
WWW:
Lehrstuhl Biogeographie, Uni Bayreuth
Department Naturschutzforschung, UFZ
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