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Achtbeinige Invasion

15. November 2007

Foto einer hell-/dunkelbraun 'getigerten' Spinne auf hellem UntergrundEtwa alle zwei Jahre siedelt sich eine neue Spinnenart in Europa an, haben zwei Schweizer Ökologen ermittelt. Vermutlich als Blinde Passagiere in Frachtcontainern verschleppt, schaffen vor allem relativ große Arten den Sprung in das neue Gebiet.

Kaum größer als ein Fingernagel, ist die in Tropen und Subtropen beheimatete Scytodes thoracica inzwischen auch in Gebäuden überall in Europa zu finden. Foto: Jørgen Lissner

Insgesamt wurden in den letzten 150 Jahren 87 Spinnenarten unbeabsichtigt in Europa eingeführt, fanden Manuel Kobelt und Wolfgang Nentwig von der Universität Bern. Weltweiter Handel und Klimawandel könnten dafür sorgen, dass die Zahl künftig noch schneller steige, schreiben die Forscher im Fachblatt “Diversity and Distributions”. Wie sich die Neulinge auf die heimischen Ökosysteme auswirkten, sei allerdings noch weitgehend unbekannt.

Kobelt und Nentwig fahndeten nach Faktoren, die die Ansiedlung neuer Webspinnen-Arten in Europa begünstigen. Ein wichtige Rolle spielen demnach Art und Anzahl der Handelswege: Je häufiger und je rascher Container aus einer fernen Region nach Europa gelangen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein achtbeiniger Blinder Passagier lebend am Ziel ankommt.

Dieser Umstand - im Verein mit ähnlichen klimatischen Bedingungen in vielen Regionen - dürfte erklären, warum etwa die Hälfte der Invasoren aus dem nördlichen Asien stammt. Ein weiterer Faktor ist die Körpergröße: Größere Spinnen verkraften den Stress während des Transports und in der neuen Umgebung besser als kleinere. Drei Viertel der eingeschleppten Arten leben zudem in urbanen Gebieten und in Gebäuden.

“Für die nahe Zukunft prognostizieren wir die Ansiedlung von mindestens einer fremden Spinnenart pro Jahr in Europa”, so die vorsichtige Schätzung von Kobelt und Nentwig. Die Gründe für diese Beschleunigung lägen im intensiveren Handel und in milderen Temperaturen in Europa. Letztere könnten die verstärkte Ansiedlung von Arten aus den Subtropen bedingen.

Forschung: Manuel Kobelt und Wolfgang Nentwig, Abteilung Synökologie, Zoologisches Institut der Universität Bern

Veröffentlichung Diversity and Distributions, DOI 10.1111/j.1472-4642.2007.00426.x

WWW:
Synökologie, Uni Bern
Einwanderungsland Deutschland
Global Invasive Species Programme

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