Posted in: Klima, Stadt 28. August 2007 17:37 Weiter lesen →

Viele kleine Parks verbessern das Stadtklima

Parkanlage Ein Netz aus vielen mittleren bis kleinen Parkanlagen und Grünflächen kann das Klima einer Stadt deutlich verbessern. Das belegen Messungen, die Klimatologen der Technischen Universität Berlin durchgeführt haben. Verteilten sich kleine Parks über eine Metropole, könnten sie die warme Luft tropischer Sommernächte viel besser abkühlen als wenige große Parkflächen, so die Forscher.

Foto: Uwe Wittbrock /Fotolia.com

Ein Team der TU Berlin unter der Leitung von Dieter Scherer untersuchte, wie sich die Hitze des Tages in Sommernächten abbaut. Während Freiflächen gerade einmal fünf Prozent der von der Sonne eingestrahlten Energie speicherten, so die Forscher, hielten dicht bebaute Städte am Morgen erst einmal die Hälfte der Wärme fest. Später sinke dieser Wert auf 25 bis 30 Prozent. Nachts aber strahlten die Wände die am Tag gespeicherte Energie wieder ab und verhinderten so die kräftige Abkühlung nach Sonnenuntergang. „In extremen Situationen sind die Nächte im Stadtzentrum acht Grad wärmer als im Umland“, sagt Scherer. Großstädte bildeten auf diese Weise Wärmeinseln in der sonst kühleren Nacht.

Parks und Grünflächen versprechen Entlastung, weil sie nicht so viel Wärme speichern. Außerdem kühlen sie stärker ab, indem sie große Mengen Wasser verdunsten. Diesen Effekt konnten Scherer und seine Gruppe auch auf begrünten Dächern messen: Während diese normalerweise gut kühlen, werden sie zur Hitzefalle, sobald die Pflanzen vertrocknen. Dann heizen die Dächer sogar stärker als Beton auf und geben die Wärme später wieder an die Außenluft ab.

Ihre Kühle geben Parks und Grünflächen bestenfalls dreihundert Meter weiter. Von wenigen großen Parks profitieren in tropischen Nächten daher nur die unmittelbaren Anwohner. Ideal wäre ein Netz aus vielen kleinen Grünflächen mit wenigstens einem Fußballplatz-Ausmaß. Dann wohnte niemand zu weit vom nächsten Minipark entfernt, und die Stadt kühlte in der Nacht ein wenig besser ab.

Zur Kühlung muss sich außerdem die Luft bewegen können, sagt Scherer: „Blockieren Gebäude den Wind, spürt man von der kühlen Nachtluft in den Grünanlagen wenig.“ Die bei Stadtplanern beliebten breiten Frischluftschneisen seien zwar aus Sicht des Klimatologen sinnvoll, brächten aber in solchen Nächten zumindest im flachen Binnenland auch wenig Kühle in die Stadt, weil der Weg vom Umland zu weit sei. Viel besser seien eine unterschiedlich hohe Bebauung oder auch viele Parks mit Gruppen von Bäumen und Büschen und vielen Wiesen. Dann stoße der Wind immer wieder auf Hindernisse, Luftwirbel bildeten sich und zögen auch kühle Luft aus der Höhe in Richtung Boden. So bleibe die Luft in Bewegung und sammele auch keine Schadstoffe an, wie es bei unbewegten Kaltluftinseln oft der Fall sei.

Forschung: Dieter Scherer u.a., Institut für Ökologie, Technische Universität Berlin

WWW:
Klimatologie an der TU Berlin

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Städte beeinflussen Niederschläge

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