Posted in: Natur- und Umweltschutz, Stadt, Verkehr 16. August 2007 17:01 Weiter lesen →

Verkehrstrassen zerschneiden Landschaften

Wenn Straßen und Gleise Landschaften zerschneiden, hat das auf die Tier- und Pflanzenwelt große Auswirkungen. Am Beispiel Sachsen zeigt eine Studie des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) jetzt, wie Freiräume in unserem Land stetig schrumpfen.

Verkehrstrasse A17
Im Sächsischen Erzgebirge trägt die A 17 maßgeblich zur Landschaftszerschneidung bei. Foto: IÖR

Sachsens Landschaft weist einen hohen Grad an Zerschneidung auf, sagen die Wissenschaftler des IÖR. Ihre neue Studie belegt: Verkehrstrassen und Siedlungen ließen die Zahl großflächiger unzerschnittener Freiräume beträchtlich schrumpfen. Und dieser Trend werde auch künftig anhalten, schreiben die Forscher mit Ausblick auf das Jahr 2020.

In Sachsen gibt es laut Studie hauptsächlich nur noch Freiräume mit einer Größenordnung unter 10 Quadratkilometern – viel zu klein, um den ökologischen Erfordernissen von Landschaften gerecht zu werden, so die Forscher. Ein Luchs benötige beispielsweise ein zusammenhängendes Gebiet von rund 100 Quadratkilometern. Ein etwa gleich großes Gebiet bräuchte auch ein Tourist, um eine ungestörte Tageswanderung zu unternehmen.

Zu den Regionen mit erkennbar zunehmender Zerschneidung gehört laut IÖR der Bereich südlich von Leipzig. Hier wurde im August 2006 der Trassenabschnitt der Bundesautobahn A 38 in Betrieb genommen. Auch die sich im Bau befindende Elbbrücke bei Mühlberg wird in Zukunft einen großen zusammenhängenden Landschaftsraum zerschneiden. Die Folgen der Autobahn A17 / D18 im deutsch-tschechischen Grenzgebiet sind ebenso sichtbar. Umgekehrte Tendenzen seien dagegen selten, so Ulrich Walz, Projektleiter am IÖR: „Für den Zeitraum bis 2020 ist in Sachsen mit einem anhaltenden Verlust an unzerschnittenen Freiflächen zu rechnen.“ Betroffen seien vor allem das Grenzgebiet zu Tschechien sowie das Umfeld von Städten mit neuen Umgehungsstraßen.

Zerschneidung in Sachsen
Karte der unzerschnittenen Freiräume in Sachsen im Jahr 2000. Quelle: IÖR

Landschaftszerschneidung ist heute ein wesentliches flächendeckendes Umweltproblem. Es resultiert aus der Flächennutzung durch den Menschen – zum Beispiel der Verdichtung des Straßennetzes, dem Ausbau von Schienentrassen oder der Erweiterung von Siedlungen. Auf diese Weise gehen großflächig zusammenhängige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten verloren, Lärm und Schadstoffe können sich vermehrt ausbreiten, die naturnahe Erholung wird beeinträchtigt und das Landschaftsbild ist gestört.

Für die Analyse wurden im IÖR u.a. historische Karten und Planungsdaten ausgewertet. Das ermöglicht eine langfristige Beobachtung von zum Teil schleichenden Veränderungsprozessen der Landschaft. Die Ergebnisse der Studie stehen im Internet unter ioer.de/langzeitmonitoring_uzf zur Verfügung.

Forschung: Ulrich Walz, Ulrich Schumacher, Peter Schauer, Griseldis Raschke, Sebastian Wolf, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung

WWW:
Homepage IÖR

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