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Kudzu: Was die „grüne Pest“ gefährlich macht

Kudzu-Pflanzen Die japanische Kletterpflanze Kudzu hat eine Menge gute Seiten. Sie trägt hübsche, duftende Blüten und ist in ihrer Heimat sowohl als Heil- als auch Futterpflanze geschätzt. In den USA entwickelte sie sich dagegen zu einer Plage. Weil sie auf dem nordamerikanischen Kontinent keine natürlichen Feinde hat, verdrängte die schnell wachsende Kudzu auf Millionen Hektar Fläche die ursprüngliche Pflanzenwelt. Jetzt haben Ökologen festgestellt, dass Kudzu auch die Bodenchemie negativ verändert.

Kudzu-Überwucherung in den USA.
Foto: Jack Anthony

Kudzu gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt. 1876 wurde sie als Ziergewächs in die USA eingeführt und noch in den 1930er Jahren bewusst als Mittel gegen die Bodenerosion gepflanzt. Zu spät stellte man fest, dass Kudzu in den USA keine Fressfeinde hat und von anderen Pflanzen nicht in Schach gehalten wird. Mittlerweile trägt Kudzu den Beinamen „the vine that ate the South“ und hat sich im Süden und Osten der USA drei Millionen Hektar Fläche erobert.

Neue schlechte Nachrichten vermelden jetzt Stoney Brook und Manuel Lerdau von der University of Virginia. Zusammen mit Jonathan Hickman von der State University of New York untersuchten sie das Laub der Pflanze und verglichen Bodenproben aus den US-Bundesstaaten Georgia und Maryland. Dabei zeigte sich, dass Kudzu fast doppelt so viel Stickstoff in den Blättern anreichert wie heimische nordamerikanische Pflanzen. Mit dem herbstlichen Laub geht der Stickstoff in den Boden über. Eine Überdüngung ist die Folge, welche Kudzu und andere schnell wachsende Invasoren in den Folgejahren begünstigt.

Kudzu-Pflanzen_2Kudzu-Überwucherung in den USA.
Foto: Jack Anthony

Wird der Stickstoff als Stickstoffmonoxid an die Luft abgegeben, kann er sich mit Sauerstoff zu Stickstoffdioxid verbinden und die Ozonwerte in die Höhe treiben. Wo Kudzu wächst, bildet sich im Vergleich zu anderen begrünten Flächen doppelt so viel Stickstoffmonoxid, berichteten die Forscher jetzt auf einer Tagung der Ecological Society of America in San Jose. „Kudzu ist eine kleine Ozon-Fabrik“, sagte Manuel Lerdau gegenüber dem Magazin „New Scientist“.

Noch wissen die Forscher nicht, wie sie die grüne Plage wirkungsvoll begrenzen könnten. Manuelles Roden hilft gegen ihr explosives Wachstum kaum. Und chemische, pflanzliche oder gar tierische Waffen gegen Kudzu würden auch der heimischen Flora beträchtlichen Schaden zufügen. Nur strenge Winter mit mindestens 80 Frosttagen haben bisher verhindert, dass sich Kudzu auch die westliche Hälfte der USA erobert. In Folge der globalen Erwärmung könnte diese geografische Grenze bald fallen, befürchten die Forscher.

Forschung: Jonathan Hickman, State University of New York; Stony Brook, Manuel Lerdau, Department of Environmental Sciences, University of Virginia, Charlottesville; Präsentation auf der Tagung der Ecological Society of America, San Jose

WWW:
Department of Environmental Sciences [1], UoV
Ecological Society of America [2]
Mehr über Kudzu bei Wikipedia [3]
Bericht im New Scientist [4] (für Abonnenten)
Fotos: Jack Anthony [5]