Moose futtern Feinstaub
3. August 2007 14:52 Drucken
Moose sind prächtige Feinstaub-Filter. Wie ein biologisches Mikrofaser-Staubtuch schlucken sie große Mengen der Partikel aus der Luft. Viele Abgas-Bestandteile dienen ihnen sogar als Nahrung, fanden Bonner Biologen heraus. Manche Schadstoffe werden außerdem durch Bakterien abgebaut, die auf den Moosblättchen leben. In Bonn sollen die natürlichen Luftfilter nun testweise zur Straßenbegrünung eingesetzt werden.

Moose auf der Autobahn – bislang nur eine Hoffnung der Biologen. Bildmontage: J.-P. Frahm / Universität Bonn
“Ein Moospolster von einem Quadratmeter Größe hat fünf Millionen kleinste Blättchen”, sagt der Bonner Moosforscher Jan-Peter Frahm. Das ergebe eine riesige Oberfläche, die viel Feinstaub aufnehmen könne. Außerdem ziehe jedes dieser Blättchen manche Mikropartikel aus der Luft magisch an. Dazu zählten unter anderem Ammoniumionen, die durchschnittlich 40 Prozent des Feinstaubes ausmachten. “Das Ganze funktioniert elektrostatisch”, erklärt Frahm; “die Moosoberfläche ist negativ geladen, ein Ammoniumion dagegen positiv.”
Ammonium ist ein wichtiger Nährstoff, den die Moose zum Wachstum benötigen. Was ihnen an Staubanteilen nicht schmeckt, vertilgen Bakterien, die auf den Moosblättchen leben – eine wahrhaft umweltfreundliche Lebensgemeinschaft. Entscheidend für die Luftreinigung ist allerdings, dass die Feuchte stimmt: Weder zu trockenes noch zu nasses Moos entfaltet die reinigende Wirkung.
In Laborversuchen haben die Bonner Forscher Moospolster mit Blei- und Barium bestäubt und nach einigen Stunden Wartezeit gewaschen. Aus der Staubmenge im Waschwasser errechneten die Wissenschaftler, dass ein Quadratmeter Moospolster bis zu 20 Gramm Feinstaub aufnimmt. Zum Vergleich: An einer viel befahrenen Straße rieseln jährlich nur 14 Gramm Feinstaub pro Quadratmeter zu Boden.
In Bonn sollen die Pflanzen jetzt an einem Anschlussstück zur Bundesautobahn 562 beweisen, was in ihnen steckt. “Inzwischen ist es möglich, dazu fertige Moosmatten zu verwenden”, so Frahm, “das reduziert den Aufwand.” Ursprünglich waren die Matten zur Dachbegrünung entwickelt worden, um als natürliche Luftbefeuchter das städtische Klima zu verbessern.
Forschung: Jan-Peter Frahm, Marko Sabovljevic, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
WWW:
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen
Moose



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Mit dem Cadmium des Reifenabriebes dürften aber sogar Moose und Bakterien Schwierigkeiten haben, bzw. nicht viel anderes tun können, als es anzusammeln.