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Rotalgen als Klimaarchiv

2. August 2007

Die Kalkskelette abgestorbener Rotalgen können Klimaforschern einen Blick in die Vergangenheit eröffnen. Das Wetter ihrer Zeit speichern die Algen in der chemischen Zusammensetzung und der Isotopensignatur ihrer Kalkskelette, sagen Geochemiker der Universität Göttingen. Sie konnten an einem mehr als 100 Jahre alten Exemplar nachweisen, dass sich das Wetter-Phänomen El Niño auch auf das ozeanographisch-meteorologische System des subarktischen Nordpazifik auswirkt und damit eine bislang nicht bekannte Fernwirkung entfaltet.

Korraline Rotalgen
Von Seeigeln und Tang besiedelte Rotalgen. Foto: Universität Göttingen

Die Göttinger Forscher haben zusammen mit Kollegen aus Deutschland, den USA und Kanada eine 117 Jahre alte Rotalge der Gattung Clathromorphum nereostratum untersucht. Sie wurde vor der Inselgruppe der Aleuten im Pazifischen Ozean geborgen. Klimatische Veränderungen zeichnen sich in ihrem Kalkskelett durch Variationen der chemischen Zusammensetzung und des Längenwachstums sowie der Isotopenzusammensetzung ab.

Die chemische Zusammensetzung des Algenskeletts wurde mit Hilfe einer Elektronen-Mikrosonde erfasst. Die Magnesiumgehalte im Calcium-Karbonat verrieten die jährlichen Temperaturschwankungen, schreiben die Forscher in den “Geophysical Research Letters”. Aus der Sauerstoffisotopensignatur lasse sich direkt auf die Wassertemperatur in der Hauptwachstumsphase der Algen schließen. Dazu reichten Proben von 0,05 Milligramm Substanz, die man mit einer speziell konstruierten Mikrofräse aus den Wachstumsbändern der Rotalge entnommen habe.

Die gewonnenen Daten bieten nach Aussage der Forscher Einblicke in die Ursachen dramatischer Veränderungen in den Ökosystemen des Nordpazifik. Sie zeigten eine Erwärmung und zunehmende Versüßung des Oberflächenwassers seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Die aufgefundene Zeitreihe stimme mit der so genannten “Pazifisch Dekadischen Oszillation” überein, einem alle 25 Jahre erfolgenden Wechsel der Meeresoberflächentemperatur. Die Sauerstoffdaten zeigten zudem eine weitere, rund vierjährige Klimaschwankung. Sie lasse sich in Verbindung bringen mit dem El Niño-Phänomen, dem Auftreten ungewöhnlicher, veränderter Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System des Südpazifik. “Zwar ist bekannt, dass die El Niño-Aktivität auch das Klima der Nordhalbkugel beeinflusst. Ein direkter mariner Einfluss im Bereich der Aleuten war aber bisher unbekannt”, sagt Projektleiter Andreas Kronz am Geowissenschaftlichen Zentrum.

Forschung: Andreas Kronz, Geowissenschaftliches Zentrum der Georg-August-Universität Göttingen; J. Halfar, R. Steneck, B. Schöne u.a. in „Geophysical Research Letters” 34. L07702, doi:10.1029/2006GL028811, 2007

WWW:
Geowissenschaftliches Zentrum, Uni Göttigen
Rotalgen
Geophysical Research Letters

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