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Südatlantische Tiefsee wird wärmer

31. Juli 2007

Die globale Meereserwärmung hat möglicherweise die Tiefsee erreicht. Darauf deuten Messungen im Vema-Kanal hin, einem Canyon zwischen dem Argentinischen und Brasilianischen Becken in 4.500 Metern Tiefe. Deutsche und russische Forscher vermuten Auswirkungen auf die Ozeanzirkulation.

Die Messung der Temperatur an Schlüsselstellen der Weltmeere ist eine wichtige Aufgabe der Ozeanographen. Damit können sie mögliche Veränderungen in den Strömungen relativ rasch erkennen. Eine dieser Stellen befindet sich östlich von Rio de Janeiro, im so genannten Vema-Kanal. Der Kanal in 4.500 Metern Wassertiefe ist nur 15 Kilometer breit. Trotzdem werden dort drei Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde am Boden nach Norden transportiert. Das sind 20 Mal mehr als der Amazonas in den Atlantik führt.

Das antarktische Bodenwasser stammt aus südpolaren Breiten, wo es im Weddell-Meer während des Winters gebildet wird. Anders als bei vielen Oberflächenströmungen, die vom Wind angetrieben werden, wirken hier Dichteunterschiede als Antrieb. Der enge Kanal lässt die Strömung auf etwa 25 Zentimeter pro Sekunde anschwellen. “Das scheint auf den ersten Blick nicht viel, ist aber in diesen Wassertiefen schon fast wie ein Sturm in der Atmosphäre”, sagt Dr. Walter Zenk vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Laut Zenk steigt die Temperatur im Vema-Kanal seit langem systematisch an: von weniger als 0.18 Grad in den 70iger Jahren auf über 0.22 Grad im Mai 2007. “Das mag vernachlässigbar klingen, hat aber einen deutlichen Einfluss auf die Dichte des transportierten Wassers, und Dichteunterschiede sind verantwortlich für den Austausch zwischen den Tiefseebecken”, so Zenk.

Die Ursachen der Erwärmung sind noch nicht eindeutig geklärt. “Aus den vorliegenden Daten können wir nicht klar sagen, ob dies Teil einer langen natürlichen Schwankung ist oder sich vielleicht hier schon die Klimaerwärmung zeigt. Letzteres wäre möglich, denn die Wassermasse ist nur einige Jahrzehnte ‘alt’. Das ist die Zeit, die seit dem Absinken von der Oberfläche in der Antarktis bis zur Ankunft im Vema-Kanal vergangen ist.”

Das antarktische Bodenwasser ist Teil einer globalen Ozeanzirkulation, die Wassermassen auf einer Zeitskala von Jahrhunderten umwälzt. Verändern sich diese globalen Umwälzbewegungen, so wirkt dies langfristig auch auf unser Klima zurück. Insofern ist Bodenwasser im Vema-Kanal ein kleines, aber wichtiges Mosaiksteinchen in diesem globalen Spiel.

Die Ergebnisse der Langzeituntersuchung haben die Forscher in der Fachzeitschrift “Geophysical Research Letters” veröffentlicht.

Forschung: Walter Zenk, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel; Eugene Morozov, Shirshov Institute of Oceanology, Moskau; in “Geophysical Research Letters”, 34, L14607, doi: 10.1029/2007GL030340.

WWW:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
Abstract des Fachartikels

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