Verwitternde Uranmunition gefährdet Grundwasser

19. Juni 2007 17:21 Drucken

Panzerbrechende Uranmunition, die im Boden lagert und damit der Verwitterung ausgesetzt ist, wird schnell zersetzt. Uranverbindungen können so in das Grundwasser gelangen. Das zeigt eine Langzeitstudie des GSF Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Kooperation mit dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD).

Abgereichertes Uran ist ein Abfallprodukt der Kernenergieerzeugung. Aufgrund seiner hohen Dichte verhilft es panzerbrechenden Projektilen zu hoher Durchschlagskraft. Uranmunition wurde bereits in großer Zahl im Irak und Kosovo eingesetzt. Zurückgelassene Reste der Munition verwittern mit der Zeit im Boden. Dabei wird es für das Grundwasser gefährlich, zeigten die Forscher in experimentellen Untersuchungen.

Die Wissenschaftler des GSF hatten Versuchsröhren mit verschiedenen Böden gefüllt und darin die Uranmunition vergraben. Zusätzlich wurden die Böden mit Dünger aus der Landwirtschaft behandelt und Gras mit eingesät. In einem klimatisierten Labor wurden die Versuchsröhren wöchentlich mit einem synthetischen Regen bewässert und das Sickerwasser auf vorhandene Uranverbindungen untersucht. Insgesamt wurden 6 Versuchssäulen in 3 Jahren unter kontrollierten Bedingungen vermessen.

Bei der Verwitterung der Uranmunition entstehen Uranminerale, stellten die Forscher fest. Sie fanden Sabugalit an der Oberfläche der Uranmunition, ein Aluminium-Uranylphosphat, das schwer wasserlöslich ist. Dieser Prozess gehe verhältnismäßig schnell vonstatten, so die Forscher. Nach ihren Schätzungen könnte sich ein Projektil schon innerhalb von 50 Jahren komplett in Sabugalit umgebildet haben. Das giftige Uran soll in diesem Mineral fest gebunden sein.

Parallel zu dieser relativ schnellen Reaktion erfolge ein Auswaschungsprozess, der sich über einen viel größeren Zeitraum erstrecke, so die Studie. Dabei entstünden neue carbonathaltige Uranverbindungen, die sehr gut wasserlöslich seien. Im Experiment seien entsprechende Verbindungen im Sickerwasser nachgewiesen worden. Die gute Wasserlöslichkeit sei auch der Grund, warum Uranverbindungen aus Uranmunition in das Grundwasser oder die Pflanzen gelangen könnten.

“Wir haben Konzentrationen im Sickerwasser nachgewiesen, die man sonst nur in ehemaligen Uranabbaugebieten, wie den Bergwerken bei Schlema in Sachsen, vorfinden kann”; so Dr. Gerhard Geipel vom Institut für Radiochemie des FZD. Für sichere Prognosen über einen längeren Zeitraum sind weitere Untersuchungen notwendig.

Quelle: Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD), 18.6.2007

WWW:
Homepage FZD

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