Posted in: Natur- und Umweltschutz 18. April 2007 17:32 Weiter lesen →

Naturschutz auf Wiesen zahlt sich aus

Wenn Wiesen, Weiden, Magerrasen und Heiden nach Naturschutzkriterien bewirtschaftet werden, steigt die Artenvielfalt deutlich an. Das beweist ein 1985 begonnenes Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen. Auf Flächen mit insgesamt mehr als 25.000 Hektar, die unter dem so genannten „Vertragsnaturschutz“ stehen, stieg die Artenvielfalt unter den Pflanzen sprunghaft an.

Bluehende-Wiese
Blühende Wiesen unter Vertragsnaturschutz. Foto: AG Geobotanik, Uni Bonn

1985 hatten sich die ersten 40 Landwirte mit gerade einmal 200 Hektar in der Eifel verpflichtet, ihre Flächen nach Naturschutzkriterien zu bewirtschaften. Mittlerweile nehmen in ganz NRW rund 5.200 Landwirte auf mehr als 25.000 Hektar am Vertragsnaturschutz teil. Seitdem ist die Populationsgröße vieler Rote-Liste-Arten der Pflanzenwelt stark gestiegen – nicht selten um das zehn- bis hundertfache. Auch die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen, ermittelten Wissenschaftler der Universität Bonn.

Vom Naturschutz profitierte beispielsweise die Orchidee Ohnhorn („Hängender Mensch“), von der in den 1970er Jahren nur noch 67 Exemplare auf dem Hühlesberg bei Bad Münstereifel-Iversheim bekannt waren. Heute sind es wieder 2.500 Pflanzen. Tendenz steigend. „Diese beeindruckende Zunahme ist kein Einzelfall, sondern in ähnlicher Form auf fast allen von uns untersuchten Flächen nachweisbar“, sagt der Bonner Geobotaniker Wolfgang Schumacher.

Für ein jetzt abgeschlossenes Forschungsprojekt haben die Forscher der Bonner Landwirtschaftlichen Fakultät rund 150 Examens-, Diplom- und Doktorarbeiten aus den letzten 30 Jahren ausgewertet. Diese historischen Daten haben sie mit aktuellen Erhebungen von mehr als 100 Gebieten in der Eifel verglichen. Die Ergebnisse übertreffen alle Erwartungen: Der schleichende Verlust von Pflanzenarten konnte nicht nur aufgehalten werden, in der Eifel hat sich der bisherige Trend sogar gedreht.

Die meisten Rote-Liste-Arten zeigen starke, teilweise sogar exponentielle Zunahmen ihrer Populationen. Auch die Artenvielfalt auf den Wiesen und Weiden hat sich stabilisiert und teilweise sogar um das zwei- bis dreifache zugenommen. Ähnliches gilt zum Beispiel für Teile des Siegerlands und des Hochsauerlands, wo Vertragsnaturschutz ebenfalls seit mehr als zehn Jahren praktiziert wird.

Möglich wurde der Erfolg unter anderem auch durch die Bereitschaft des Landes, der Kreise, Gemeinden und der NRW-Stiftung, Flächen zu renaturieren und zu günstigen Preisen zu verpachten. Ebenso wichtig war die finanzielle Förderung des Vertragsnaturschutzes durch das Land NRW und die Europäische Union. „Das Prinzip ‚Naturschutz durch Nutzung‘ lässt sich aber nur durchhalten, wenn das, was dort wächst, auch im Betrieb verwertet wird“, so Schumacher. „Diese Integration des Naturschutzes in den landwirtschaftlichen Betrieb ist wesentlicher Bestandteil des Konzepts.“

Lungenenzian
Auch der Lungenenzian profitiert von den Naturschutzwiesen. Foto: AG Geobotanik, Uni Bonn

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 18.4.2007

Forschung: Wolfgang Schumacher, Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn

WWW:
Geobotanik an der Uni Bonn
Orchidee Ohnhorn

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1 Kommentar zu "Naturschutz auf Wiesen zahlt sich aus"

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