Ritterwanze ist Insekt des Jahres 2007
27. November 2006
Das Kuratorium “Insekt des Jahres” wählte für 2007 eine Wanze, da diese Tiergruppe nach Meinung der Jury zu den farbenprächtigsten und interessantesten Insekten gehört. Es soll zudem mit dem schlechten Image aufgeräumt werden, das den Tieren wegen der blutsaugenden Bettwanze anhaftet.
Ritterwanze auf einer Blüte des Adonisröschens. Foto: bba / Jürgen Deckert
In Mitteleuropa sind etwa 1.000 Wanzenarten bekannt, und nur eine Handvoll sind Parasiten wie die unbeliebte Bettwanze. Viele Wanzen leben räuberisch; die meisten ernähren sich jedoch von Pflanzensäften. So auch die Ritterwanze (Lygaeus equestris) die zu den Bodenwanzen gehört.
„Unsere Ritterwanze ist ein Feinschmecker und nutzt sogar giftige Speisen“, so Professor Holger Dathe vom Deutschen Entomologischen Institut, der Vorsitzende des Kuratoriums. „Für die jungen Larven sind die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) die einzigen Wirtspflanzen. Beides sind giftige Pflanzen, die nur auf Trockenrasen oder in lichten Wäldern zu finden sind. So zum Beispiel auf der Insel Rügen sowie in den Mittelgebirgen bis in die unteren Zonen der Alpen.“ Die Ritterwanze, die in Österreich häufiger anzutreffen ist als in Deutschland, ist seltener geworden, aber nicht vom Aussterben bedroht.
Ritterwanzen sind 8 bis 14 mm groß und haben einen länglich-ovalen, leicht abgeflachten Körper. Charakteristisch für sie ist die schwarze kreuzförmige Zeichnung auf der Rückenoberseite. Sie überwintern als erwachsene Insekten geschützt am Boden, aber auch in unbenutzten Bruthöhlen von Bienen oder an Steilwänden.
Sobald die Tage länger werden und die Sonne wärmer wird, verlassen sie ihre Winterquartiere. Nach der Paarung, die bis zu 24 Stunden dauern kann, legen die Weibchen nach und nach rund 60 Eier in kleinen Gruppen im Boden ab. Die jungen Larven schlüpfen nach circa einem Monat. Sie häuten sich fünfmal, bevor sie nach etwa 40 Tagen ausgewachsen und flugfähig sind.
Die älteren Larven sind wenig wählerisch bei der Wahl ihrer Nahrung und können auch an Löwenzahn gefunden werden. Sie saugen vor allen an unreifen Samen oder reifen, abgefallenen Samen. Ritterwanzen leben in der Regel eine Saison.
Das Insekt des Jahres 2007 kann mit der ähnlich aussehenden, ebenfalls rot-schwarz gefärbten Feuerwanze verwechselt werden, die auch Stadtbewohnern gut bekannt ist. Vor allem unter Linden, aber auch unter Rosskastanien sammeln sich oft Hunderte dieser Tiere an. Feuerwanzen, fälschlicherweise oft als „Feuerkäfer“ bezeichnet, sind ebenfalls vorwiegend Pflanzensauger. Auch wenn sie in Massen auftreten, verursachen sie keine nennenswerten Schäden.
Quelle: Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), 24.11.2006
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