Posted in: Energie 14. November 2006 18:26 Weiter lesen →

Energieverbrauch privater Haushalte weiter gestiegen

Private Haushalte gehen verschwenderisch mit Energie und Fläche um. Das belegen Zahlen aus der Umweltökonomischen Gesamtrechung (UGR) des Statistischen Bundesamtes. Danach ist der Energieverbrauch deutscher Haushalte für Wohnen von 1995 bis 2005 um 3,5 Prozent gestiegen. Verantwortlich sollen zunehmende Wohnflächen und eine wachsende Ausstattung der Haushalte mit Elektrogeräten sein.

„Sollte unser Energiehunger weiter wachsen, so könnten wir dem Klimawandel kaum begegnen“, erklärte Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA); „wir müssen in Deutschland den gesamten Energiebedarf bis 2050 halbieren. Die privaten Haushalte können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“ Auch beim erhöhten Flächenverbrauch ist keine Trendwende in Sicht: In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Wohnfläche für private Haushalte um etwa 13 Prozent.

Vor allem beim Stromverbrauch seien die Potenziale zum Energiesparen bislang nur unzureichend ausgeschöpft. Allein die Leerlaufverluste bei Elektrogeräten – wie Fernsehern und Computern – sollen in den Privathaushalten laut UBA 17 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr betragen. Das entspreche Stromkosten von 3,3 Milliarden Euro. Schon ein einfach zugänglicher Netzschalter, der elektrische Geräte vollständig vom Stromnetz trenne, könne helfen, Leerlaufverluste zu vermeiden.

Auch bei der „Weißen Ware“ – zum Beispiel Kühl-Gefrierkombinationen, Waschmaschinen und Geschirrspüler – gebe es erhebliche Einsparpotenziale. Hier seien mit Hilfe effizienter Techniken jährliche Einsparungen in Höhe von sieben Milliarden kWh möglich – etwa 5,8 Prozent des Stromverbrauchs der Haushalte.

Um den Stromverbrauch der Elektrogeräte zu verringern, schlägt das Umweltbundesamt auf Ebene der Europäischen Union (EU) rechtlich verbindliche Effizienzstandards für diese Geräte vor. Diese Standards sollten sich nach dem durchschnittlichen Stromverbrauch des besten Viertels der auf dem Markt verfügbaren Geräte richten.

Fast 60 Prozent des Energiebedarfs – vor allem für Raumwärme – lassen sich laut UBA bei Wohngebäuden, die bis Ende der siebziger Jahre entstanden sind, einsparen. Die dazu notwendigen Investitionen, etwa zur Wärmedämmung oder zur Erneuerung der Heizungsanlage, amortisierten sich oft bereits in weniger als zehn Jahren.

Eine entscheidende Ursache für den Anstieg des direkten Energieverbrauchs der Haushalte sei die Zunahme der Wohnfläche, die private Haushalte nutzten. Diese Entwicklung sei auch auf die demografischen Veränderungen zurückzuführen: Die Menschen würden immer älter; immer mehr ältere Bürgerinnen und Bürger lebten allein. Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte sei zwischen 1995 und 2004 um jeweils zwölf Prozent gewachsen. Der Energieverbrauch pro Haushaltsmitglied sei in einem Single-Haushalt nahezu doppelt so hoch wie in einem Drei- und Mehr-Personen-Haushalt.

Um die natürlichen Ressourcen zu schonen, sollte nach Meinung des UBA die Modernisierung bestehender Gebäude – vor allem in den Städten – Vorrang vor einem Neubau haben. Troge: „Wir müssen mehr Wert auf die Entwicklung der Innenstädte und die energetische Modernisierung unserer Altbauten legen, anstatt weitere Bauten auf die ‚Grüne Wiese‘ zu setzen. Eine teure Infrastruktur mit langen Verkehrswegen, die immer weniger Menschen nutzen, können wir uns nicht mehr leisten.“

Quelle: Umweltbundesamt (UBA), 14.11.2006

WWW:
Das UBA-Hintergrundpapier „Wie private Haushalte die Umwelt nutzen – höherer Energieverbrauch trotz Effizienzsteigerungen“ steht kostenlos zum Download bereit.
Die Daten zur Umweltökonomischen Gesamtrechnung (UGR) gibt es beim Statistischen Bundesamt.

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